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Bei den "Neffschandellern"

Full text: Humoristische Rückblicke auf Berlins "gute alte" Zeit von 1834 bis 1864 / Wauer, Hugo (Public Domain)

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zu Zeit mit Blicken, gegen welche glühende Schwerter 
ihnen die reinen Eiszapfen zu sein schienen. 
Endlich, nachdem die Dienstsachen erledigt waren, 
ließ er die Drei, denen sämtliche Gliedmaßen schlotterten, 
vor die Front treten. 
„Wie könnt Ihr Euch unterstehen, zum Appell mit 
Extramützen anzutreten?“ 
Totenstille mit Knieschlottern. 
„Wo sind Eure Dienstmützen?“ 
Noch tötere Stille mit verstärktem Schlottern. 
„Na, Ihr habt Euch da 'ne nette Suppe einge— 
brockt! Habt ja nu die schönste Aussicht, in die zweite 
Klasse des Soldatenstandes zu schliddern und in Spandau 
Steene zu karren. Ja, nu steht Ihr da, wie der leib⸗ 
hafte Jammer! — Aber na — diesmal sollt Ihr noch 
mit 'nem blauen Auge davon kommen. — Drei Tage 
Mittelarrest! Nicht etwa wegen der lumpigen Paar 
Kartoffeln, sondern weil Ihr, drei Schützen, Euch 
von einem Feldhüter die Mützen habt wegnehmen 
lassen!!“ — — — 
Noch Jahre nachher hießen im Bataillon drei 
Tage Mittel-Arrest „'n blauet Doge“. 
Fast das Gegenteil von Holwede war der Haupt— 
mann unserer, der dritten Kompagnie, Herr von Borcke. 
Nur wenig größer, als der Nußknacker hatte er eben— 
falls nicht das Garde-Maß. Da er aber schon früh— 
zeitig eine hohe Begeisterung für den denkbar gründ— 
lichsten Kamaschendienst und für möglichst häufige 
Lumpenparaden (Revifion der Kleider und Stiefel) offen— 
bart hatte und z. B. mit absoluter Sicherheit vom 
rechten Flügel aus sofort bemerkte, wenn eine Mücke
	        
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