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Full text: Pankgrafen und Kumperkaten und ihre Beziehungen zu Berlin, zu Frankfurt am Main und zum alten Vater Rhein / Bautz, Rudolf (Public Domain)

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„Gewiß, mein Junge, ich erinnere mich dessen.“ 
„Vatter, do haw ich noch dezu verzehlt, deß daß 
Berliner Residenztheoter und deß Berliner Herren— 
feldtheoter unser ganz Orpheum in Beschlag ge— 
nomme hawwe. Gelle, Mutter, deß haw ich gesagt?“ 
„Mutter und Christian, scheinbar habt Ihr ja 
recht, aber der Lorenz, dieser frühere Hausbursche 
und Hotelier, der schwätzt immer noch die Lügen 
nach, die seine Fremden einmal aus Neid ihm ein— 
geblasen haben. Dieses Logenhuhn schmückt sich 
gerne mit fremden Federn und tut dick dabei. Merkt 
Euch das, hört Ihr? Wer über unser Frankfurt 
urteilen will, der muß alle Verhältnisse ganz genau 
studiert haben. Laßt Euch durch mich als Sachver— 
ständigen über unser Verhältnis zu Feinberlin 
belehren und Ihr werdet anders über die Berliner 
denken, die da unserm Vater Rhein die Ehre zu 
schenken beabsichtigen. Ich habe das lustige Völkchen 
persönlich beobachtet und meine Vergleiche mit uns 
alten Frankfurtern angestellt. So höret denn: 
Diese lieben Leutchen würdigen in erster Linie sehr 
den Ernst des Kampfes um dieses irdische und 
einstige Dasein; sie entwickeln aber auch unter dem 
Drucke des Alltaglebens mit seiner edlen und stren— 
gen Pflichterfüllung noch regen Sinn für Menschen— 
freundlichkeit und Nächstenliebe, für innige Kame— 
radschaftlichkeit und echtes Brudertum, für witzige 
Torheit, anmutige Wildheit und herzerfreuende 
Schelmerei. Trunkenheit ohne Wein und reichs— 
städtische Schnoddrigkeit, Anhäufen von Stullen— 
papier an allen herrlichen Punkten der Kulturwelt
	        
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