schüler und immer noch heimlichen Verehrer bewill—
kommnet und immer wieder in das Zimmer Nr. 5 ge—
leitet, wo ein starrer Kronprinz mit Barbarossabart den
einzigen Schmuck bildete und vom Spirituslicht umflackert,
wie mitleidend auf sein unglückliches Landeskind her—
niedersah. Von drüben her, aus dem Flygerschen Lokal,
tönten stets die gewalzten Klänge des Krakowiak, und aus
der Gaststube des Hauses die Baßstimme des Stadtdieners
Semmler, der seiner hohen Amtsauffassung, durch alle
Wirtschaften eine freiwillige, feuchte Nachtpatrouille
machen zu müssen, doch nicht untreu werden konnte, zu—
mal sein Eifer überall feurige Anerkennung fand. Und
darauf legte er Wert!
Dies alles gehörte mit dazu und ebenso, daß
Schrader, früh anpochend ein „6 Uhr“ gegen die Tür
rief, was gar nicht nötig war. Der keimende Morgen
fand Regina immer bereit, die dem ihr ergebenen Manne
die dargebotene Tasse Kaffee mit hingehauchtem „danke,
vielleicht später!“ abschlug und hinaus eilte. Nur verein—
zelte Kirchgängerinnen traf man um diese Zeit in der
Schloßstraße; das mit dem Städtchen verschmolzene Guts—
dorf lag noch ganz still und friedlich, und ungestört kam
die einsame Frau auf dem Wege über die Kirschenallee
zum Friedhofe.
Hier stand schon die Zeidlersche in Bereitschaft, wie
jeder die alte Hüterin nannte: „Se haben sich noch gar
nicht verändert und sehen noch immer propper aus!
Wenn sonst die Frauen älter werden ...“, so lautete
ihr Willkommen und damit streckte sie der geborenen Tu—
gendreich die halbhohle Hand entgegen, wohl wissend,
daß diese Formel ihr ein schon bereit gehaltenes Fünf—
markstück eintrug. Als Quittung sagte sie dann: „Ach,
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