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Full text: Jettchen Gebert / Hermann, Georg (Public Domain)

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In Koßling wechselten die Stimmungen wie Sonnen⸗ 
schein, Regen, Hagel und Schnee an einem Apriltag. Eben 
noch triefend und weiß überschüttet, blitzte im nächsten 
Augenblick alles an tausend Ecken und Enden auf. 
Er hatte das Gefühl, als ob er jetzt etwas errungen 
hätte, das ihn vor allem feite; und daß er, möge kommen, 
was da wolle, nie mehr in das alte Elend zurücksinken 
könnte. Alles, was ihn bisher beschäftigt und erfüllt, kam 
ihm so klein, nichtig und gleichgültig vor gegenüber dem, 
was ihm jetzt als ein unverdientes Glück zugefallen war. 
Da ist Politik und Gesamtheit und Dichtung und 
Lebensaufgabe und Lebensbedeutung und Nahrung und Sor⸗ 
gen und Ringen und einsame Qualen, und plötzlich kommt 
ein Wirbelwind über uns, und all das ist auseinanderge— 
blasen, als ob es nie dagewesen wäre, uns nie gedrückt 
und uns nie erfüllt hätte. 
Jettchen ging fest und aufrecht neben Kößling und gab 
sich Mühe, alles in sich niederzuringen, was ihr an Angst 
und Bedenken um ihre Zukunft aufstieg, — denn sie fühlte 
jetzt, daß ihrer beider Zukunft zusammengehbrte. Nein, sie 
wollte sich durch all das auch nicht eine Sekunde dieser 
schönen und seltenen Gegenwart verkümmern lassen, wo 
alles zu ihr sprach, und der Duft von dem immer noch ein 
wenig regenfeuchten Laub und die Nähe des Geliebten, die 
lichte Glut des Abends, alles ringsum bis auf die ver— 
schwiegenen Steinfiguren im Dickicht sie schmeichlerisch ein— 
wiegte. 
Als sie wieder vor dem Tor mit den goldenen Spitzen 
und den goldenen Sternen waren, blieben sie stehen, um 
noch einen Blick zurückzuwerfen auf den dämmrigen Linden— 
weg und die breiten Laubmassen des Parks, die hinter der
	        
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