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Full text: Jettchen Gebert / Hermann, Georg (Public Domain)

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merkte wohl, daß alles auf Jettchen zurückfiel, die hier 
allein stand, und er beeilte sich deshalb, andere Ge— 
sprächsstoffe heranzuziehen. Er fragte, ob und wohin 
sie den Sommer gingen. Und damit war Tante Riekchen 
aufgezogen wie eine Spieluhr und leierte ihre Walze ab. 
Sie setzte Kößling alle Vorzüge der Rosinenstraße als der 
feineren vor der Berlinerstraße ins beste Licht, nachdem sie 
vorher zwischen Pankow, Schöneberg und Charlottenburg 
Parallelen gezogen. Und sie sagte, daß sie in dieser Woche 
noch mieten wollte, — sie schwanke nur noch zwischen drei 
Wohnungen, und sie hofse, Herrn Doktor auch einmal bei 
sich draußen sehen zu können. 
Hiermit war Kößling einverstanden. 
Und nun erging sich Onkel Eli weitschweifig und mit 
einer Wichtigkeit, als ob er Reden an die deutsche Nation 
hielte, über Rührei und Spargel — mit einem Versenken 
in die Details der Zubereitung, mit der Erinnerung an gute 
und schlechte Spargeljahre, daß Kößling an Brillat Savarin 
dachte. 
Dieses Manbver des alten Nußknackers brachte das 
Gespräch auf das Essen überhaupt, und Jettchen wunderte 
sich des Todes, wie Tante Riekchen ihrer Schwester die 
geheimen Kniffe und Pfiffe des Einmachens preisgab. Einer 
andern hätte sie wohl ihre Erfahrungen nie anvertraut. 
Aber hier konnte sie sicher sein, sie wurden nicht mißbraucht. 
Denn Hannchen hatte eingemachte Nüsse, die vorher acht 
Tage in lauem Zuckerwasser wässern mußten und dann 
mit einer ‚sauberen‘ Nähnadel durchstochen werden mußten, 
bei ihrer Schwester Riekchen billiger. 
Endlich taute auch Max auf und machte sich an Köß— 
ling mit einem literarischen Gespräch, in dem er Gutzkow
	        
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