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Volume No. 62., vom 3ten August

Full text: Der preußische Vaterlandsfreund (Public Domain) Ausgabe 1811 (Public Domain)

— 256 — 
Hundt empfahl sich sogleich und brachte dar ver 
langte Diplom herbei. 
Friedrich besah e« von allen Seiten, schien er 
zu bewundern, aber auf einmal ließ er es, — als sey 
es zufällig, — in dar hell lodernde Feuer des Kamin« 
fallen, wo e« in wenige» Minuten in Asche verwan, 
delt war. 
Er entschuldigte fich über diese« Unglück, setzte aber 
hinzu: «Er sieht nun wohl selbst ein, ein Hund bleibt 
immer ein Hund." 
6. 
Friedrich II. war überhaupt geneigt, Dinge, 
die ihm mißfielen, den Flammen zu opfern. 
Einst kam er in den Dorsaal, vor seinem Zimmer 
im Schlosse, in welchem sich der b>cnstihu«nde Kam« 
mcrherr uud der wachchabend« Offizier aufzuhalten 
pflegten, und wo beständig ein Kamniseucr brannte. 
Der Kammerherr, Graf vonKameke, hakte sich 
entfernt, und nur der wachthabende Offizier war in 
dem Saale. 
Der König wurde auf einem Stuhl einen großen 
Muff gewahr, und in dem Wahn, daß solcher dem 
Offizier angehöre, nahm er ihn fort, besah ihn sehr 
aufmerksam, fixiere dann wieder den Offizier, mit ei 
nem finster» Blick, und warf endlich den Muff unwtl, 
ltg in'« Feuer. 
Gleichgültig sah der Offizier den Muff von den 
Flammen verzehren. 
Thut ihm denn der schöne Muff nicht leid? fragte 
der König endlich. 
„Er gehört mir nicht," versetzte der Offizier, „son» 
„dcrn Lw. Majestät Kammerherrn, dem Grafen von 
„Kameke." 
Verdrießlich über seinen Irrthum, gieng der Mo, 
narch in sein Zimmer zurück. 
Die Kunst geht betteln. 
»Pari« zeigt sich oft auf den öffentlichen Spatzier, 
gängen ein Mann, der einen Tisch vor sich stehen hat, 
und -ch vor einem gläsernen Kästchen mit einer klei 
nen Gerte in der Hand, so heftig gebehrdet, al« wenn 
er einen mit Mühlsteinen belasteten Wagen au« einem 
Abgrund loszopeitsche» hat. 
Die ihn zum ersten Male sehen, glauben, baß er 
nicht recht bei Verstände ist, und laufen hinzu, aber 
bald zeigt e« fich, daß sie die Thoren sind. 
Dieser gewaltige Fuhrmann treibt nämlich ein 
Flohgespann, daß man durch ein Mikroskop sehen muß, 
wenn man aller daran erkennen will, vor einem gol, 
denen Wägelchen mit Geschirr, womit zwei Flöh« 
schnell durchgehen, so daß er gar nicht nöthig hat, mit 
der Peitsche so gewaltsam um sich zu schlagen. 
Der Professor E. M. Arndt sah auch eine Weile 
diese» seltene Fuhrwerk an, und gab dem Künstler da, 
für drei Sol«. Der Künstler aber wandte fich halb 
bitter halb stolz zu ihm mit den Worten: 
„Mein Herr, Sie geben mir doch gar zu wenig, ich 
„versichere Sie auf meine Ehre, er hat mir mehr 
„als fünf 2-thee Nachdenken und viele fruchtlose 
„und theure Versuche gekostet, die« Werk zur Doll« 
„kommenheir zu bringen." 
Räthsel. 
m Wasser saß betrübt ein Mann, 
Und weit umher ertönten seine Klagen; 
Da trat ein Wanderer heran, 
Und sprach: erlaubt c« mir, euch zu befragen. 
Welch Nngemach so hart euch quält, 
Ui d wa« an euerm Glück euch fehlt? 
„Hier fitz'ich weinend jetzt am Wasser," 
Versetzt der Klagende, und blickt zum Fluss« hin, 
„Wißt, wenn ich Wasser habe, bin 
Ich glücklich, gehl's nach meinem Sinn; 
Denn leb' ich wie ein reicher Prasser, 
Und «rinke süße» Rebenblui, 
Doch fehle da« Wasser, sinkt der Muth, 
Und statt der Weiner, trink' ich Wasser." 
Vtrltti. 
Nachträglich ist noch zu bemerken, daß da« Denk« 
mal der Königin von Preußen für die Siadr Gran see 
auf einem 4 Fuß hohen Granit zu stehen kommt, wo, 
durch er mehr in die Augen fallen und also eine» bes, 
fern Effekt mache» wird; und daß auf dem Monument 
in Gestalt eine» dreieckigen Altar«, dessen in dem 6osten 
Stück dieser Zeilschrifi Erwähnung geschehen ist, «ne 
schöne Opferjchaalr in antiker Form steht. 
In der Bronze > Fabrik der Herren Werner und 
Miethe ist auf Bestellung «in Krucifix, wahrschein, 
lich zu einem Geschenk für eine Kirche bestimmt, ver, 
fertigt worden, da« al« Kunstwerk einer öffentlichen 
Erwähnung verdient. 
Da» Kreuz von schwarzem Ebenholz ist »4 Zoll 
hoch, und steht auf einem Fußqestclle von weißem Mar, 
mor, au» zwei Stufen bestehend. Christ»« am Kreuze 
ist von vergoldeter Bronze, so wie der unten am Fuße 
de« letzter» befindliche Todtenschädel. 
Da» Ganz« ist auf da, sauberste gearbeitet, vor, 
züglich der sterbende Heilend, wo die Natur auf 
da» treuste koptrt ist. Ueber dem Haupte de, Gekreu 
zigten stehen di« in einer vergoldeten Platte ringe, 
grabenen Buchstaben: /• äv. R. J. uno unter dem 
Todrenkopfe auf einer ähnlichen Platte die trostreichen 
Worte: FÜR DICH. 
Auflösung de« Räthsel« und der Charade im Monat 
Juli: 
Charade No. 54: Hosmarschall. 
Räthsel No. 58 r Hoffnung.
	        
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