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Anhang Klingemanns Gedichte

Full text: Felix Mendelssohn-Bartholdys Briefwechsel mit Legationsrat Karl Klingemann in London / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

Anhang 
Ar 
JA 
Klingemanns Gedichte. 
Von Felix Mendelssohn vertont: 
Frühlingslied. 
Der Frühling naht mit Brausen, 
Er rüstet sich zur Tat, 
Und unter Sturm und Sausen 
Keimt still die grüne Saat. 
Drum wach, erwach, Du Menschenkind, 
Dass Dich der Lenz nicht schlafend find’. 
Tu ab die Wintersorgen, 
Empfange frisch den Gast, 
Er flieht wie junger Morgen, 
Er hält nicht lange Rast. 
Die Knospe schwillt, die Blume blüht, 
Die Stunde eilt, die Jugend flieht. 
Dir armem Menschenkinde 
Ist wund und weh ums Herz. 
Auf, spreng getrost die Rinde, 
Schau mutig himmelwärts! 
Es schmilzt das Eis, die Quelle rinnt, 
Dir taut der Schmerz und löst sich lind. 
Und wie die Vöglein leise, 
Anstimmen ihren Chor, 
So dring’ auch deine Weise 
Aus tiefster Brust hervor: 
Bist nicht verarmt, bist nicht allein 
Umringt von Sang und Sonnenschein. 
Blumen. 
Sie wandelt im Blumengarten 
Und mustert den bunten Flor. 
Und alle die Kleinen warten 
Und schauen zu ihr empor. 
„Und seid ihr denn Frühlingsboten, 
Verkündend was wieder neu, 
So werdet auch meine Boten, 
An die so mir hold und treu.“ 
(Überschrieben 37 Bury. Street 
Es brechen im schallenden Reigen 
Die Frühlingsstimmen los, 
Sie können’s nicht länger verschweigen, 
Die Wonne ist gar zu gross. 
Warum — sie wissen es selber kaum, 
Es rührt sie ein alter, ein süsser Traum. 
Die Knospen schwellen und glühen 
Und drängen sich an das Licht, 
Und warten in sehnendem Blühen, 
So überschaut sie die Habe 
Gleich einer Mutter im Haus. 
Sie ordnet die reiche Gabe 
Und teilt sie den Ihren aus. 
Was Blumen und Farben nur meinen, 
O deutet, o fragt das nicht, 
Wenn aus dem Auge der Einen 
Ein süssester Frühling spricht. 
St. James’s 27. April 1832.) 
Dass liebende Hand sie bricht. 
Wohin — sie ahnen es selber kaum, 
Cs zieht sie ein alter, ein süsser Traum. 
Und Frühlingsgeister steigen 
Hinab in die Menschenbrust 
Und regen da drinnen den Reigen 
Der ewigen Jugendlust. 
Woher — wir denken es selber kaum, 
©s wiegt uns ein alter, ein süsser Traum.
	        
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