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Briefe

Full text: Felix Mendelssohn-Bartholdys Briefwechsel mit Legationsrat Karl Klingemann in London / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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Briefe. 
Liebster Freund. Berlin, den 2. Februar 1844. 
Erlaube mir Dich durch diese Zeilen mit Herrn von Beckerath aus Krefeld be- 
kannt zu machen, und Dich um freundliche Aufnahme für ihn zu bitten. Er geht nach 
England, um sein bedeutendes Rheinwein-Geschäft nach dorthin auszudehnen, und 
schrieb mir, dass er gern mit einigen meiner dortigen Freunde bekannt wäre, die ihm 
teils zu seinen dortigen Geschäftszwecken mit Rat behilflich, teils in Hinsicht seiner 
grossen Musikliebe übereinstimmend wären. Das ist nun beides bei Dir der Fall; 
zudem hat mich Herr v. Beckerath in den Jahren, die ich am Rhein zubrachte, in 
seinem Hause stets so freundlich und gastfrei aufgenommen, wir haben uns so oft bei 
den Musikfesten begegnet und verständigt, und sein Name klingt mir gleich so rheinisch 
und vergnüglich ins Ohr, dass ich ihm gern alles Gute erweisen und zur Erfüllung 
aller seiner Wünsche helfen möchte. Dazu weiss ich nun in vorliegendem Fall kein 
bessres Mittel als diesen Brief und jene Bitte; erfülle sie mir mit gewohnter Liebe und 
Güte. An Benecke schreibe ich auch; vielleicht geht ihr einmal zusammen hinaus; ich 
wollte, ich wäre der Dritte, 
Gestern schrieb ich Dir mit dem Paket Musikalien, heute also nur noch den 
Herzensgruss 
Deines 
Felix M. B. 
©)) 
Berlin, 4. März 1844. 
Liebster Freund, heute nur in 2 Worten die Nachricht, dass ich mich gestern 
zur Reise nach England entschlossen habe, und gleich nach Ostern von hier abzureisen 
gedenke. Ist es mir möglich, so bin ich zum 3. Philharm. Konzert am 29. April, d. h. 
zur Probe am 27. schon dort; wo nicht, so denke ich aber in jedem Fall in den 5 letzten 
Konzerten mitzuwirken und ein paar Monate wieder mit Dir zusammenzu- 
leben. Wie freue ich mich, mein liebster Freund, indem ich diese Worte schreibe! 
Aber meine Cecile wird wohl diesmal nicht mit mir reisen und auch nicht nach- 
kommen können. Sie mag sich zur langen Trennung von den Kindern nicht ent- 
schliessen. Doch bis Frankfurt wollen wir alle zusammen gehen, und daher werde ich 
nach dem letzten Philharm. (am 8. Juli) wohl unmittelbar nach Deutschland zurück- 
kehren. Könntest Du da mit? 
Der Brief müsste eigentlich in Keilschrift geschrieben sein, so wichtig kommt er 
mir vor. — Denn nun kommt ausserdem noch die Frage: Willst Du mich wirklich 
wieder bei Dir aufnehmen? — Oder macht es Dir, Deinen Leuten, irgend wem die ge- 
ringsten Umstände und Übelstände, könntest Du mir da ein Logis recht in Deiner 
Nähe besorgen? Bedenk, ich will Ende April kommen und erst im Juli gehen, am 
Ende wäre Dir da doch das zweite bequemer, als "das erste. Sag mir’s recht auf- 
cichtig! 
Sag mir auch, ob Dir hinsichtlich des Philharmonic noch irgend etwas einfällt, 
das Du mir lieber nach Deutschland schriebest, als in England sagtest. Irgend etwas, 
das ich hier noch besorgen, mitbringen, oder dergl. könnte. 
Von neuen Sachen bringe ich mit, was ich nur irgend habe, das versteht sich. 
Leider erfahre ich heute von Buxton, dass eine Sendung an ihn, der ich mehreres für 
Dich beigefügt, in der Elbe eingefroren und noch immer nicht angekommen ist. Jetzt 
ist aber fast Frühlingswetter hier; jetzt ist sie hoffentlich schon in Deinen Händen. 
Die Walpurgisnacht ist freilich sehr anders geworden, aber am wenigsten gerade die 
beiden Stücke, deren Du erwähnst, die Ouvertüre wie der Hexenchor waren von jeher 
in a-moll, und was Thema und Physiognomie betrifft, ganz dieselben. An Fanny
	        
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