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Briefe

Full text: Felix Mendelssohn-Bartholdys Briefwechsel mit Legationsrat Karl Klingemann in London / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

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Briefe, 
jass das gerade den ganzen Januar, und vielleicht bis Mitte Februar unmöglich einzu- 
richten ist; nachher würde es uns wieder sehr lieb sein, aber nun weiss ich nicht, wie 
ch ihr das beibringen soll, und es geht aus tausend Gründen nicht, dass ich’s direkt 
an sie schreibe. Da bitte ich Dich also, es den Eltern zu sagen, die es der Sophy 
dann mitteilen mögen. War es ihre Absicht, bei ihrem Bruder oder sonst wo hier zu 
wohnen, so fällt natürlich die ganze diplomatische Verhandlung weg, und ich werde 
sie je eher, je lieber hier begrüssen; aber ist es, wie gesagt, ihre Absicht, in unserem 
Hause zu bleiben, wie ich nicht anders erwarte, so sei Talleyrand, und richte die 
Sache aufs schönste ein. Verzeih die Bemühung oder den Tröbbel, wie Ihr Euch aus- 
drückt. Und da ich im Bitten bin, bitte ich Dich, schick mir die Messer und sonstigen 
Sachen des Ironmongers um Gottes willen nicht mit der Beneckeschen Gelegenheit; 
Du lieber Himmel, die ist nichts anders als die Fahrpost, wie ich hier zum Schrecken 
bemerkt habe. Findet sich einmal eine wirkliche Gelegenheit, etwa nach Hannover, 
so wäre es freilich das Beste, wo nicht, so bitte ich Dich, mir einmal das ganze Paket 
an Pauls Geschäftsführer in Hamburg zu adressieren, der es mir dann per Fracht 
übermachen muss. Bitte schreib mir. darüber ein paar Worte, Und hat denn 
Mme Moscheles meine zehnpfündige Schuld richtig abgetragen? Die beiden Beneckes 
musst Du mir tausendmal grüssen, und ihnen sagen, dass ich sie sehr von Herzen 
lieb habe, mehr als ich ihnen je sagen konnte und sie vielleicht glauben. Gott, könnten 
wir 3 (ich meine mit der Cecile) mal da rausspazieren, ins Grüne, so am Sonntag 
Morgen! Es sieht leider nicht nach meinem Kommen im nächsten Frühjahr aus, heute 
erhielt ich einen Brief vom Philharmonic, der mich verdross, und auf den ich a cavallo 
antworten will. Watts schreibt in seiner gewöhnlichen diktatorischen Art, ich möge 
eine Ouvertüre mit 8 fach doublierten Stimmen schicken, und zu meiner a dur-Symphonie 
einen neuen ersten Satz schreiben. Das finde ich alles beides ungehobelt, und werde 
es ihnen in meiner Antwort ergebenst hören lassen. Nämlich „heut“ ist nun schon 
der Abend von dem Morgen, wo ich anfing und wo Karl den Turm baute, und Chorley 
ist richtig gekommen und um 6 abgereist und hat Deine Weste mitgenommen, aber 
sein Federmesser hier vergessen, und Moscheles hat ein Paar Hosen hier vergessen. 
Nun, wenn das nicht ein Plauderbrief war! Verzeih’ was Dir zu viel dran ist — aber 
solcher wirst Du nun wieder eine Masse bekommen, Mitte nächsten Monats spätestens 
den nächsten. Du kannst bessere schreiben, bitte tue es bald, und sage mir, dass 
auch Du gern der Tage gedenkst, wo wir jetzt so fröhlich zusammen waren, dass 
auch Du mir gut bist und bleibst wie ich immer und ewig 
Dein 
Felix. 
CS 
Tiebster Freund. Leipzig, den 18. Nov. 1840. 
Weisst Du noch, dass wir in South Andley Street neue ausführliche Monats- 
berichte besprachen? Oder war es am Hyde-Park? Das ist einerlei; hier ist wieder 
der meinige. Lass mich nun auch nicht mehr zu lange auf ein Lebenszeichen von Dir 
warten; die Antwort auf die Fragen meines vorigen Briefes hinsichtlich der Veränderung 
Deines Chefs und somit Deiner persönlichen Stellung ist mir wichtig, das weisst Du 
ja; lass mich darüber ja bald etwas wissen. Hier lebe ich wieder so ruhig und einsam 
fort, wie ich es mir nur wünschen kann; Frau und Kinder sind Gottlob wohl, zu arbeiten 
habe ich vollauf; was kann der Mensch da noch Besseres wollen? Nichts als Fort- 
dauer erbitte und wünsche ich mir vom Himmel und freue mich täglich von neuem 
des stillen einförmigen Lebens. Zwar macht mirs zu Anfang des Winters immer 
einige Schwierigkeit, aus den geselligen Philistereien herauszukommen, die hier grünen
	        
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