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Briefe

Full text: Felix Mendelssohn-Bartholdys Briefwechsel mit Legationsrat Karl Klingemann in London / Mendelssohn Bartholdy, Felix (Public Domain)

‘36 
Briefe. 
Klingemann an Mendelssohn. 
Pervonte 
Oper in 3 Akten. 
(Halle im Schlosse des Fürsten, der Hof versammelt, der Seneschall ordnend.) 
Seneschall. Und so geht es einen Tag wie den andern, früh bestellt, und dann des 
Wartens kein Ende! Kammer herr, dass ihr das auf euren dünnen Beinen aus- 
stehen könnt, ist mir ein Wunder, 
Kammerherr. Ein stehender Spass! 
Seneschall. Und doch sitzet ihr gern dazu. — Ha ihr Pagen, weiter ab von den 
Fräulein. Sonst war mehr Zucht, die Alten nicht so langweilig, die Jungen nicht 
so frech, 
Kammerherr. Darf man ganz im Geheimen die Veranlassung des Hoftages erfahren? 
Seneschall. Im Geheimen? Der ganze Hof mag es wissen, obendrein wirds doch 
gleich verlauten. 
(Astolfo tritt ein.) 
Da kommt Ritter Astolfo, der erzählt’s euch mit Salbung. — Ritter, warum warten 
wir hier? 
Astolfo. Ihr wartet eurer Pflicht, — ich der Herrin. 
Seneschall. Da habt ihr’s, der Herrin. Unsere Prinzess ist’s, unsre spröde Vastola, 
— wieder die alte Geschichte. Es ist eine Not mit einem einzigen Kinde, — es 
sollten immer gleich Zwillinge geboren werden. — Die Prinzessin wird ihrem 
getreuen Volk wieder einmal versichern, dass sie noch gar keine Lust zum 
Heiraten habe, — einziger Fall (zu den Hofdamen) nicht wahr? Höchst un- 
natürlich, meint ihr, So denkt’s der Durchlauchtigste Vater, so denkt das ganze 
Land; Deputationen über Deputationen kommen, die Freier der ganzen Christen- 
heit sind umsonst hier gewesen, — sie bleibt stolz und kalt. Der erlauchte Stamm 
stirbt aus, wir alle sitzen verwaist, und alle Nachbarn kommen über uns mit 
Fehden und Ansprüchen. Es geht nicht mit rechten Dingen zu, — ich fange an, 
an geheime Künste zu glauben. 
(Trompetenstoss draussen, er geht an’s Fenster.) 
Da haben wir’s, eine neue Deputation! 
Kammerherr. Geheime Künste, Herr Seneschall? 
Seneschall. Geheime Künste, Zauberei! 
Chor. 
Einzelne. Geheime Künste, wer übt sie aus? 
Frauen, Wollt ihr uns schrecken mit Spuk und Graus? 
Männer. Mit Ammenmärchen fängt er uns nicht! 
Pagen. Er will uns necken durch ein Gedicht. 
Seneschall. 
Denkt an die Feen und ihre Macht, 
Die oft den Stolzen zu Fall gebracht, 
Die Gutes lohnen mit Ehr und Gold, 
Dem Argen feindlich, der Unschuld hold. 
Vernehmt, was alte Sagen drüber melden, 
Wie ich’s in Chroniken auf Pergament gelesen, 
Beim Schein der Lampe forschend nach den Helden, 
Und wie’s zu unsrer Väter Zeit gewesen, 
(Abermaliger Trompetenstoss.} 
Ruf: Der Fürst! 
(Grosse Stille, alles ordnet sich, der Seneschall geht wieder ans Fenster.
	        
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