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brummte“. Auch Schwimmfahrten nach der Oberspree (schon c. 75), Reinicken⸗
dorf, Plötzensee wurden häufig veranstaltet. Im 1.5. 80 wurde nach der Sedan⸗
feier der Turner in Steglitz mit der Fahne eine Nachtturnfahrt durch den
Grunewald unternommen, die schließlich mit Spielen in Schönholz endete.
Gewaltmärsche nach Frankfurt a. O. (7z5 km in 15 Std. 50 Min. — 8 ATVeer
unter 20 Teilnehmern —, nach Brandenburg (66 kmein 10 Std. 8 Min.) wurden
gemeinsam mit Genossen aus dem „Turnratsverband“ unternommen. Die
Spieler zeigten ihre Fertigkeit — wie vor dem Lehrerseminar in Köpenick so —
auf dem Turnfest in Sangerhausen und zogen von dort zum Kyffhäuser (erste
Turnfahrt außerhalb der Mark Brandenburg), vom Dresdener Turnfest
ging es in die sächsische Schweiz.
Da im Gegensatz zu heute die Schönholzer Spieler meist die jüngeren
Mitglieder in ihren Reihen zählten, gingen die Wanderungen unter der
Leitung von Heidenreich, Schnuhr, Abel, Reinhardt, Bockhacker, Krummacher
und Bayard mit ziemlicher Beteiligung rüstig weiter, durchschnittlich im
Monat einmal unter Ausfall von Schönholz. Nur die Sonntags Vorturner⸗
stunde erwies sich als störend. Teilnehmerzahlen von 25 bis 30 waren der
Durchschnitt. Besonders beliebt war die Maiturnfahrt, die meist nach Pots⸗
dam führte, wo dann von den beiden Türmen des Pfingstberges das
herrliche Mailied hinaus in die Weite schallte. Auch die erste offizielle
Kuderfahrt fällt in diese Zeit (85.5. 80 die Havel abwärts bis Kl. Kreuz).
Regelmäßig wurde auch der Bußtag in dem J. und 2./3. Jahrzehnt (c.77)
zu Turnfahrten ausgenutzt.
Allein schon im W.es. 87 /88 begann der Marsch-Ausschuß über mangel—⸗
hafte Beteiligung zu klagen, die im wesentlichen ihren Grund darin hatte,
daß an Spritzentagen Schönholz nicht mehr abgesagt wurde, namentlich
wenn keine Schönholzer im Ausschuß waren. Auch mochte der Ausschuß
nicht genügende Beziehungen zu dem inneren Vereinsleben haben, sonst
hätten nicht gleichzeitig mit einer Turnfahrt Ruderfahrt, Radfahrt, Schön—
holz und Fuxenspritze steigen können! Es kam aber auch hinzu die Unlust, nach
der Sonnabendkneipe früh aufzustehen. Selbst um 10 Uhr angesagte Spritzen
wiesen schwache Beteiligung auf. Vergebens bemühten sich Platow, Gerber,
Engelmann, Borchart, Dinglinger und andere, die Wanderfahrten zu heben,
es blieben Augenblickserfolge. Supprian führte die schon gegen 1870 ff.
vorgekommene Veranstaltung einer mehrtägigen Pfingstwanderung (damals
Buckow⸗Freienwalde) ein; es half alles nichts. Als gar noch die Ruderriege
begründet wurde, mußte der Marsch-Ausschuß bald allein wandern. Be—
zeichnend ist eine Stelle aus dem Berichte Platows W.S. 90/1900: „Wir
ließen es uns nicht nehmen, die eine Turnfahrt trotz strömenden Regens,
die andere bei tiefem Schnee dennoch auszuführen, um unserer Pflicht zu
genügen und zu sehen, ob nicht einer wenigstens auf der „Bildfläche“ erscheine.
Leider blieben wir die einzigen Teilnehmer; von einem Verein von über
100 Mitgliedern hatte keiner die Zeit, das Interesse und den Mut, seinen
kraftgestählten Körper den Unbilden der Witterung auszusetzen.“ Zu einer
auf Wunsch angesetzten Eisspritze fanden sich ein Ah und ein Gast ein.