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[I. Die ersten 25 Jahre] Kapitel I. Einleitung: Die Umwelt der Stiftung; die Charakterzüge der Zeit

Full text: Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Akademischen Turnvereins zu Berlin (ATV) (Public Domain)

preußische und das deutsche Interesse zu versöhnen, zu verschmelzen, Preußen 
durch die Lösung der deutschen Aufgabe erst recht groß, ganz groß zu machen. 
Noch lebten die letzten Männer der ersten, gar viele der zweiten Einheits— 
bewegung und — sie erlebten die dritte, die einzige, die erfolgreich war. Und 
so wurde der zuerst bestgehaßte Mann zum volkstümlichsten, zum verkörperten 
Wahrzeichen von Deutschlands Einheit, Größe und Macht, er, an dessen 
Reckengestalt gerade die Jugend, die akademische Ingend ehrfurchtsvoll 
emporblickt, sich immer von neuem stärkt und erhebt zu glühender Vater— 
landsliebe und echt nationaler Begeisterung. „Heilige Flamme glüh', glüh' 
und erlssche nie“ ist doch die unsichtbare Inschrift jeder Bismarckwarte. 
Nicht blos in politisch-nationaler Beziehung macht das Jahr 1860 
Epoche: wir erleben jetzt mehr wie ein Fünfzigjahr-Fest, als — auf gar 
verschiedenen Gebieten — bedeutsame Marksteine der LKulturentwickl ung. 
Ich meine dabei die tatsächlich wirklich gefeierten, ebenso wie die blos tat. 
sächlich eingetretenen, mehr oder weniger klanglos vorübergegangenen, 
Jubiläen. Swar die Kulturbahn von der Erfindung der Dampfmaschine 
der Dampfwagen und sschiffe, des Galvanismus, bis zu den Elektromotoren 
und Automobilen, von den Telegraphen, Telephonen, bis zu den Telefunken, 
von der Gasbeleuchtung und Heizung bis zu der elektrischen CLichterzeugung, 
dem dem Dampfbetrieb folgenden elektrischen Fabrikbetrieb auf Grund der 
Umwandlung der natürlichen Wasserbewegung in Elektrizität, zu der Ver— 
dichtung der Cuft zu Flüssigkeit, von der Bändigung der Gebirgswasser durch 
Talsperren bis zur Eroberung des Cuftozeons durch lenkbare Fahrzeuge, durch 
Flugapparate, von dem Aufschwung der chemischen Wissenschaft und Industrie 
bis zu dem Beginn der Aufführung eines Neubaues derselben auf dem 
Grunde der Radiumforschung, — deckt sich nicht mit unserem Semisäculum, 
erstreckt sich vielmehr über ein ganzes Jahrhundert. Aber innerhalb dieses 
stellt dessen Mitte den Ausgangspunkt einer neuen, z. T. theoretische, 3. T. 
praktischrepochemachenden Entwicklungsreihe der Naturwissenschaften, der 
reinen und der angewandten, dar. Sind sie auch teilweise Inhaltsmomente 
einer vorhergegangenen Periode, so werden sie doch nicht grundlos gerade 
als der Gegenwartskultur Krönung, als der Zeitgenossen Stolz und Ehren⸗ 
titel in allen Zungen, in allen Tonarten gepriesen. Und — bilden 
sie auch nicht zeitlich absolut genau den Ausgangspunkt unseres, eher den 
Endpunkt des vorangegangenen Semisäculums, oder zum Teil das eine, 
zum Teil das andere, so sind sie doch gerade dadurch gekennzeichnet als 
integrierende Bestandteile, als Inhaltsmomente jenes insofern, als es 
die Hauptarbeit mit ihnen getan und es verstanden hat, mittels ihrer zu 
solchem nie zuvor erreichtem Ziele zu gelangen. Und wenn die Anfänge 
der Jahreszahl nach vor dasselbe, z. T. sogar beträchtlich früher fallen, — 
eine und ausgelebt haben sie sich eben in unserem Zeitraum, für dessen 
Anfang LC. v. Rankes Paradoxon Geltung hat, daß die Jahrhunderte der 
Geschichte in der Mitte anfangen, in ihr ihres Wesens Höhepunkt, ihre 
schaffenskräftigste Entwickelungsperiode finden. 
So ist es in unserem Falle mit der Technik, so mit den Naturwissen 
ib ergang zur 
Uultur.
	        
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