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II. Das studentische und turnerische Vereinsleben - insbesondere von 1885-1910

Full text: Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Akademischen Turnvereins zu Berlin (ATV) (Public Domain)

Nicht ganz eingeschlafen ist die Verleihung von Sonder-Orden, be— 
sonders bemüht sich der jetzige Meister in trefflicher Weise darum, wobei 
ihm die Gabe zierlicher Verse ermöglicht, immer neue Wendungen auch in 
althergebrachte Sprüche zu briugen. Ist auch die Zahl der Ordens⸗ 
abstufungen noch gestiegen, so wird doch ein Maßhalten in den Verleihungen 
in den letzten Jahren verspürt werden. Daß mancher auf den zahlreichen 
Hebieten heutigen Vereinslebens sich Auszeichnende einmal an einem Feste 
mehrere Orden erhält, ist nicht zu umgehen. 
Wie sich so aus der freien Zusammenarbeit Einzelner ein fester Ver⸗ 
einsordensbetrieb bildete, so hat auch die Gelegenheit, bei welcher das Fest— 
kapitel stattfindet, einen Wechsel erfahren und Stetigkeit gewonnen. An die 
Fröhlichkeit eines „Weihnachtsfestes“ zuerst geknüpft, ging das Kapitel 
1881/82 auf das „Winterfest“ über und blieb ein Teil desselben bis W.es. 
188990. Die Verlegung dieses Festes in die „Philharmonie“ und die damit 
zunehmende Beteiligung von Kreisen, denen das innere Vereinsleben ganz 
fremd sein mußte, führte 1891 dazu, das Ordenskapitel auf das mit der 
neugegründeten „Arminia“ gemeinsame Stiftungsfest im Sommer zu ver— 
legen, wodurch es sichtlich an Wertung verlor. 
So erschien bald eine besondere Veranstaltung im engeren Kreise 
nötig, als es gelang, einen anderen inzwischen vorgeschlagenen Festabend 
auf Fromholz Vorschlag damit zu verbinden und so die heutige Form zu 
gewinnen. 
Auf Anregung von Pantenius im Jahre 1802 sollte alle Jahre 
ein⸗ oder zweimal ein gemeinsamer größerer Kneipabend der AHAH und 
Aktiven stattfinden, dessen Kosten die ersteren, (zunächst die anwesenden) trügen. 
Der erste Versuch am 21. Janunar 1893 bewies die glückliche Ver— 
bindung beider Veranstaltungen, die bei dem unzureichenden Raum der 
Vereinskneipe dann jahrelang in gemietetem größeren Saale stattfand. 
Ungemein zahlreich erschienen dazu die Alten Herren selbst höherer Semester, 
denen die größere Cuftigkeit und Rauchfreiheit des Raumes und mehr Be— 
wegungsfähigkeit bei solchem Feste gefiel. Es kann nicht verschwiegen 
werden, daß die Verlegung des „AIltherren- und Ordens-Festes“ auf 
die eigene wieder recht enge Vereinskneipe seit 1903, (erfolgt, um den Vor— 
teil des Bierverbrauches der Kneipkasse zuzuwenden), dem Besuche der AH 
Abbruch tat. 
Die neue, sehr gut funktionierende Ventilationsanlage unserer neuer⸗ 
dings wieder sehr schönen und gemütlichen Kneipe läßt allerdings von 
nun ab wieder auf eine größere Beteiligung gerade der AhäH hoffen. 
Im allgemeinen bewahrt die Einrichtung noch den wohl verstandenen 
Charakter einer halb ernsten, halb fröhlichen Kritik an der Betätigung der 
Mitglieder in der Vereinsarbeit. Die vor einigen Jahren von einer Gruppe 
ausgegangene Kennzeichnung des Ordenskapitels als „Mummenschanz“ ist 
oerschwunden. Die Jugend strebt danach, Fuchsmedaille oder „Kleines 
Hauskreuz“ zu erringen, die älteren Aktiven empfinden es schmerzlich, wenn 
ihrer Betätigung im Vorstande und in den immer zahlreicher werdenden
	        
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