Nicht ganz eingeschlafen ist die Verleihung von Sonder-Orden, be—
sonders bemüht sich der jetzige Meister in trefflicher Weise darum, wobei
ihm die Gabe zierlicher Verse ermöglicht, immer neue Wendungen auch in
althergebrachte Sprüche zu briugen. Ist auch die Zahl der Ordens⸗
abstufungen noch gestiegen, so wird doch ein Maßhalten in den Verleihungen
in den letzten Jahren verspürt werden. Daß mancher auf den zahlreichen
Hebieten heutigen Vereinslebens sich Auszeichnende einmal an einem Feste
mehrere Orden erhält, ist nicht zu umgehen.
Wie sich so aus der freien Zusammenarbeit Einzelner ein fester Ver⸗
einsordensbetrieb bildete, so hat auch die Gelegenheit, bei welcher das Fest—
kapitel stattfindet, einen Wechsel erfahren und Stetigkeit gewonnen. An die
Fröhlichkeit eines „Weihnachtsfestes“ zuerst geknüpft, ging das Kapitel
1881/82 auf das „Winterfest“ über und blieb ein Teil desselben bis W.es.
188990. Die Verlegung dieses Festes in die „Philharmonie“ und die damit
zunehmende Beteiligung von Kreisen, denen das innere Vereinsleben ganz
fremd sein mußte, führte 1891 dazu, das Ordenskapitel auf das mit der
neugegründeten „Arminia“ gemeinsame Stiftungsfest im Sommer zu ver—
legen, wodurch es sichtlich an Wertung verlor.
So erschien bald eine besondere Veranstaltung im engeren Kreise
nötig, als es gelang, einen anderen inzwischen vorgeschlagenen Festabend
auf Fromholz Vorschlag damit zu verbinden und so die heutige Form zu
gewinnen.
Auf Anregung von Pantenius im Jahre 1802 sollte alle Jahre
ein⸗ oder zweimal ein gemeinsamer größerer Kneipabend der AHAH und
Aktiven stattfinden, dessen Kosten die ersteren, (zunächst die anwesenden) trügen.
Der erste Versuch am 21. Janunar 1893 bewies die glückliche Ver—
bindung beider Veranstaltungen, die bei dem unzureichenden Raum der
Vereinskneipe dann jahrelang in gemietetem größeren Saale stattfand.
Ungemein zahlreich erschienen dazu die Alten Herren selbst höherer Semester,
denen die größere Cuftigkeit und Rauchfreiheit des Raumes und mehr Be—
wegungsfähigkeit bei solchem Feste gefiel. Es kann nicht verschwiegen
werden, daß die Verlegung des „AIltherren- und Ordens-Festes“ auf
die eigene wieder recht enge Vereinskneipe seit 1903, (erfolgt, um den Vor—
teil des Bierverbrauches der Kneipkasse zuzuwenden), dem Besuche der AH
Abbruch tat.
Die neue, sehr gut funktionierende Ventilationsanlage unserer neuer⸗
dings wieder sehr schönen und gemütlichen Kneipe läßt allerdings von
nun ab wieder auf eine größere Beteiligung gerade der AhäH hoffen.
Im allgemeinen bewahrt die Einrichtung noch den wohl verstandenen
Charakter einer halb ernsten, halb fröhlichen Kritik an der Betätigung der
Mitglieder in der Vereinsarbeit. Die vor einigen Jahren von einer Gruppe
ausgegangene Kennzeichnung des Ordenskapitels als „Mummenschanz“ ist
oerschwunden. Die Jugend strebt danach, Fuchsmedaille oder „Kleines
Hauskreuz“ zu erringen, die älteren Aktiven empfinden es schmerzlich, wenn
ihrer Betätigung im Vorstande und in den immer zahlreicher werdenden