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[I. Die ersten 25 Jahre] V. Kapitel. 1875-85

Full text: Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Akademischen Turnvereins zu Berlin (ATV) (Public Domain)

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die sogenannten „Gebildeten“ eigene Vereine bilden.“ Noch einmal sei an 
die „akademischen Turner“ Gottfried Kinkel und Karl Schurz erinnert, 
denen niemand aristokratische Vorurteile beimessen wird. 
Reden möge die ganze Geschichte der akademischen Vereine. 
Wir meinen, daß es noch nie auf deutschen Universitäten Gemein— 
schaften gegeben hat, welche so praktisch und verhältnismäßig so wirksam 
vorgegangen sind gegen die Abgeschlossenheit der akademischen Jugend 
gegenüber dem Volke. Man zeige uns eine Gemeinschaft, geachtet in der 
Studentenschaft und doch dabei in lebendigen Beziehungen zu wichtigen 
Kreisen des Volks. Weder die Gesangvereine und Liedertafeln, noch die 
einst auch in Turnerkreisen so gepriesenen Burschenschaften haben Ähnliches 
aufzuweisen. Nirgends gibt es so viele Mitglieder, welche ihrem Vereine 
eine solche Kenntnis der verschiedensten Kreise des Volkes verdanken! Darum 
gerade sprechen wir von „‚rein theoretischen“ Angriffen: Man will Gemein—⸗ 
schaften, die doch unzweifelhaft etwas geleistet haben, zertrümmern, ehe 
man die Möglichkeit anderer Mittel und Wege tatsächlich erhärtet hat, wie 
man es doch an den vielen Universitäten, welche akademischer Vereine ent⸗ 
behren, hätte tun können. Darum machen wir den Urhebern solcher An⸗ 
sichten einen Vorwurf, ohne uns indes zu sehr zu verwundern. Denn der 
Schein ist gegen uns. Und fern von uns sei Selbstlob oder Selbstüber— 
schätzung. Wir mögen ja oft unsere Schuldigkeit nicht ganz erfüllt haben. 
Aber der Wille war gut. Wir haben uns viele Aufgaben und große SFiele 
gesetzt. Da sind wir in der Verwirklichung wohl einmal zurückgeblieben. 
Aber wir haben das Bewußtsein, aufrichtig Gutes erstrebt zu haben. Wir 
beklagen es daher, daß auch Näherstehende so bereit sind, nur das Schlechte 
und Unvollkommene zu sehen. Nur zu gut wissen wir, daß der Schaden 
ein gegenseitiger ist. Wäre es denn gar nicht zu erreichen, daß wir auch 
eine fremde Ueberzeugung achten ) Können wir uns nie entschließen, eine 
abweichende Ansicht ohne Spott und Hohn gelten zu lassen, auch wenn sie 
uns nicht überzeugt“ — Sehr recht hat der Verfasser, wenn er erklärt, daß 
eine Gemeinschaft, wie z. B. die unsrige in Berlin, die seit der Siiftung 
fast 1200 Mitglieder aufgenommen hat, von denen viele, auch wenn sie 
durch Ozeane von uns getrennt sind, noch mit Liebe am Vereine und unserer 
Sache hängen, schwerlich durch seinen Artikel sich bewogen finden wird, 
sich aufzulösen! Das Beispiel von Halle und anderen Orten wird uns 
davor bewahren! Bedenken aber sollte Herr Giese, daß sein Verein und 
der unsrige dem Turnrat und der märkischen und deutschen Curnerschaft 
in gleicher Weise angehören. Es wäre nicht unbillig zu erwarten, daß das 
Bewußtsein: „wir sind verbündet gegen die Wiedersacher der Turnerei,“ 
zum Schweigen brächte das Verlangen, die Unterschiede allein zu betonen 
oder gar Drohungen, wie die am Ende des Artikels ausgestoßenen, zu ver— 
wirklichen. Es ist leider schon viel Kraft nutzlos im Kampf der Turner 
unter einander vergeudet worden. Wir wollen sie lieber zur Verteidigung 
der gemeinsamen Sache verbrauchen. Heut, wo der Höhepunkt der Turnerei 
schon hinter uns zu liegen scheint, und wo so manche Ideale geschwunden
	        
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