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Full text: Vom Leben am preußischen Hofe / Rochow, Caroline von (Public Domain)

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Standpunkte aus den Fehler einer früheren Zeit, in der man der 
katholischen Kirche eine Stellung gegeben hat, die sie gewissermaßen 
auch in dogmatischer Hinsicht unter protestantische Kontrolle stellt. 
Daraus entwickelten sich so leicht tief eingreifende Reibungen. 
Hierauf wendete ihm mein Bruder ein: wie verschieden die 
Stellung Preußens von der anderer Staaten in dieser Hinsicht sei, 
wie z. B. allein die Art seines Unterrichtswesens es in Beziehung 
auch zu den inneren kirchlichen Angelegenheiten bringe, wie hieraus 
naturgemäß ein Eingehen auf die Dogmen der Kirche folgte. Hierauf 
führte er an, daß zu Preußens Grundlage der Protestantismus 
gehöre, der auch in der Person des Königs einen besonderen Ver⸗ 
fechter gefunden habe. Dadurch sei eine Stellung entstanden, die 
sich nicht mit der anderer Staaten vergleichen lasse, die aber aller⸗ 
dings die Aufgabe verwickelter und schwieriger mache. 
Das Gespräch wendete sich nun auf die politische Bedeutung 
des Colner Bischofstreites und auf die Einwirkung OPsterreichs. 
Der Kaiser ist von dem ganzen Benehmen Osterreichs genau unter⸗ 
richtet; er tadelte es streng, setzte aber mit Klarheit im Hinblick 
auf die europäischen Verhältnisse auseinander, weshalb Preußen 
und sterreich sich nicht feindlich gegenüberstehen dürften. Er 
berührte nun die Stellung der verschiedenen Staaten zueinander, 
doch ohne Frankreich in Beziehung zu uns zu erwähnen. Er hat 
die Orleanssche Heirat gemißbilligt und kann allen denen, die ihre 
Hand dabei im Spiele hatten, nicht verzeihen. Er ließ dies auch 
den Fürsten Wittgenstein empfinden, indem er mit ihm keinen 
ernsteren Gegenstand berührte. 
Als das Gespräch auf die katholische Sache kam, hob mein 
Bruder die kräftige Hülfe und die Klarheit des Fürsten darin 
hervor und verwies den Kaiser auf ihn. Da der Fürst sich gerade 
im Schlosse befand, ließ ihn der Kaiser rufen und er ist der dritte 
in dem letzten Teil der Konversation gewesen. 
—— 
Kaiser 
Nilkolaus 
über ultra⸗ 
montane 
Politit 
— —— 
Oktober 1838. 
Ich kann einen Zeitabschnitt hier nur im allgemeinen berühren, 
en ich nicht am Ort verlebte, nur die Stimmung und die Mit⸗ 
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