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Erstes Kapitel. Rückert

Full text: Moritz Lazarus' Lebenserinnerungen / Lazarus, Moritz (Public Domain)

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bei meinem Schwiegervater sah. Ach! Sie wissen es, wie sehr 
der Dichter sein Neuseß liebte! Wie schön hat er es besungen, 
wie rührend die Hoffnung ausgesprochen, daß in späten Jahren 
es seine Enkel sein würden, die hier durch seine Fluren gehen: 
Wer wird in hundert Jahren 
Hier gehn durch seine Flur? 
Ich kann es wohl gewahren: 
Von mir ein Enkel nur. 
Er freuet sich des Raumes, 
Des weiten Segens voll, 
Und jedes jungen Baumes, 
Der Frucht ihm tragen soll. 
Da denkt er an den Alten, 
Der ihm den Namen gab, 
Und sagt: Wir wollen halten 
In Ehren dessen Grab. 
Es war ja der heißeste Wunsch des Dichters, seine „kleine 
Freudenfrohburg, Ehrenburg und Residenz“ zu erhalten, 
Wo ich, was ich strebt', erstrebte, 
Wo ich, was ich rang', errang, 
Meinen Liebesfrühling lebte, 
Meinen Liebesfrühling sang! 
Wie groß ist die Verehrung für diesen unseren geliebtesten 
Dichter! Es werden ihm Denkmale gesetzt — „Denkmale von 
Stein“ — wie er sie haßte!“) Sollte es nicht möglich sein, ihm 
In seinen „Vermischten Gedichten“ schreibt er unter der Überschrift: 
„Er kann sich nicht wehren“: 
Seh' ich solch einen eh'rnen Mann 
Oder aus Stein gehau'nen, 
Der draußen sich nicht wehren kann 
Vor Wind und Wetterlaunen, 
Wie ihm der Bart von Eise starrt 
Und Schnee ihm krönt die Scheitel, 
So denk' ich, sfolch ein Ruhm ist hart 
Und wer ihn wünscht, ist eitel. 
Bewahre Gott vor solchem mich, 
Daß ich zu Tode frieren 
Mich müss' im Tod und jämmerlich 
Ein ödes Plätzchen zieren.
	        
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