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Großstadtschicksale I.

Full text: Berlin / Scheffler, Karl (Public Domain)

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Die Bevölkerung. 
Kultur von außen her hereingetragen wird. Das 
Wesen dieser Art von Existenzen ist die Dis- 
harmonie, der Mißklang, der Widerstreit. Durch 
gewisse Bildungsmanieren bricht immer wieder 
die alte Roheit durch, und im Einklang hiermit 
begegnet man auch in diesen reichen Oderbruch- 
dörfern einem beständigen Gegensatz von Spar- 
samkeit und Verschwendung, von Kirchlichkeit 
und Aberglauben, von Ehrbarkeit und Sitten- 
verderbnis ... Krasser Luxus und das völlig 
mangelnde Verständnis für Das, was wohltut und 
gefällt, laufen nebeneinander her. In dem Wohn- 
zimmer steht ein großes Sofa mit blauseidenem 
Überzug, aber der Überzug ist zerrissen und ein- 
gefettet. Der Kupferstich an der Wand hängt 
völlig schief und kein Auge sieht es. Das Glas 
des andern Bildes ist mitten durchgesprungen 
und niemand denkt daran, es zu ersetzen ... 
Nun geht es zu Tisch. Alles reichlich, aber auch 
nichts mehr. Die Magd mit klappernden Holz- 
pantinen setzt die Speisen auf, das Stück Fleisch 
liegt unschön zerhackt auf der Schüssel; die 
Teller sind verschieden an Stoff und Form, die 
Messer und Gabeln sind abgewaschen, aber nicht 
blank geputzt; von Tischgebet keine Rede. So 
nimmt man Platz, und schweigend, unschön, ohne 
Dank beginnt und endet die Mahlzeit ... Ein- 
zelnen, für schweres Geld erstandenen Glanz- und 
Prachtstücken wird die Pflicht des Repräsen- 
tierens auferlegt; die Personen aber entschlagen
	        
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