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Erste Abteilung. Leben II. Kapitel. Wiesbaden 1832-1838

Full text: Abraham Geiger / Geiger, Ludwig (Public Domain)

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I. Biographie. 
Bibel, jener Komplex von meistens sehr schönen und erhabenen, vielleicht 
den erhabensten menschlichen Büchern, muß als Göttliches weg.“ 
Über die amtliche Tätigkeit Geigers lassen sich aus den Akten interessante 
Mitteilungen machen. Zunächst in Beziehung auf den Religionsunterricht, 
wobei eine überaus charakteristische Aufstellung des Etats der Gemeinde 
vorkommt. 
Schon?) am 16, Februar -1833 wurde das Gesuch des Lehrers Baruch 
Hirsch Flehinger genehmigt, ihn zum Lehrer mit einem Gehalt von 50 Gulden 
jährlich anzustellen. In dem Erlaubnisschreiben heißt es: „Dr. Geiger, als 
Rabbiner von hiesiger Judengemeinde angenommen, erteilt seit dem Antritt 
dieses Dienstes Unterricht für die schon mehr Erwachsenen, konnte aber den 
Unterricht der Jüngeren nicht übernehmen. Er wünscht aus dieser Ursache 
die Annahme eines weiteren Lehrers, welchen Wunsch der Vorstand der Ge- 
neinde teilt.‘“ 
Geigers Begründung dieses Verlangens (nur in Abschrift vorhanden) ?) 
lautet so: „Da der Unterricht, der die israelitische Jugend in ihrem Glauben 
arhalten soll, weit verwickelter ist, als der bei anderen Konfessionen, daher 
zrößerer Vorbereitungen bedarf, indem nämlich die Bekanntschaft mit einer 
[remden Sprache, der hebräischen, als der Sprache, in welcher die Gebete ver- 
faßt sind und in der das Original unserer heiligen Schriften sich vorfindet (not- 
wendig ist), da ferner durch den aus der alten Zeit her vererbten Gebrauch 
die Kenntnis von Dingen — wenigstens für jetzt noch — nötig worden ist, 
deren Nützlichkeit bloß allmählich aufhört, sowie des Hebräisch-Deutsch-Lesens, 
indem sich viele Bücher in deutscher Sprache, aber mit hebräischen Schrift- 
zügen abgefaßt finden, ferner des Hebräisch-Schreibens, indem man sich immer- 
fort in gegenseitigen Zuschriften dieser Schriftzüge bediente, obgleich man 
in deutscher Sprache schrieb und dieser Gebrauch noch nicht erloschen ist; so 
ist es für nötig erachtet worden, diesem vorbereitenden Religionsunterricht zwei 
Stunden zu widmen, und zwar dieselben für zwei Klassen, die nach Maßgabe 
der Fähigkeiten eingerichtet werden sollen. zu verwenden nach folgender Weise: 
Erste Klasse 11—12 Sonntag und Montag Hebräisch, Dienstag Über- 
setzung der wichtigsten Gebete, Mittwoch Hebräisch, Donnerstag Bibelstunde, 
Freitag Hebräisch-Deutsch-Lesen. 
Zweite Klasse 4—5 Sonntag Übersetzung der Gebete der Knaben und 
Mädchen, Montag Bibel für Knaben, Dienstag Hebräisch-Schreiben für Knaben 
und Mädchen, Mittwoch hebräische Sprachlehre für Knaben, Donnerstag 
Bibel dito, Freitag biblische Geschichte für Knaben und Mädchen. 
Aus vorliegendem Schulplan erhellt demnach, daß die Kinder der ersten 
Klasse täglich eine Stunde vorbereitenden Religionsunterricht genießen. ebenso 
‘\ Das Folgende entnommen aus „Acta, Gottesdienst der Juden betreffend 1830—66‘, 
Wiesbadener Staatsarchiv. 
*) Der Schulplan liegt, wie gesagt, nur in Abschrift vor. Daß er wirklich genau dem 
Original entspricht, möchte man bezweifeln, da Satzbau und deutscher Ausdruck in diesem 
Aktenstücke ziemlich mangelhaft sind. Ich habe es aus den Akten genau abgeschrieben und 
kollationiert.
	        
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