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Der Droschkenkutscher

Full text: Aus guter alter Zeit / Meyer, Alexander (Public Domain)

kutscher zu werden. Auch dieser Beruf gehört zu denen, 
welcher nur von Leuten ergriffen wird, die ihre Karriere 
verfehlt haben. Schiffbrüchige Existenzen aus allen Stän⸗ 
den, aus der Armee und aus den vier Fakultäten finden 
sich darunter, selbstverständlich als seltene Ausnahmen. 
Gewöhnlich erhält man auf die Frage, warum er einen 
so wenig einträglichen Beruf ergriffen habe, von dem 
Kutscher die Antwort, daß er durch irgendein Leiden zu 
schwerer Arbeit untauglich geworden sei und keine andre 
Wahl vor sich gehabt habe. 
Der Wiener Fiaker ist, solange er sein Gefährt re— 
giert, toujours en vedette; er sieht sich aufmerksam nach 
allen Seiten um, hält die Hände mit dem Zügel auf⸗— 
wärts, so daß er imstande ist, mit der denkbar größten 
Geschwindigkeit zu lenken und zu halten, und warnt die 
Vorübergehenden rechtzeitig. Dieser Warnungsruf ist 
ganz eigentümlich: ein pfeifender Ton, der halb wie ein 
Klagelaut klingt. Wer diesen Ton zum erstenmal hört, 
springt, ohne zu wissen, was er bedeutet, instinktiv in 
der Ahnung einer ihm drohenden Gefahr beiseite. Der 
Berliner Droschkenkutscher läßt die Hände schlaff nach 
unten sinken; jemand, der sich in gefährlicher Situation 
oor seinen Pferden befindet, ruft er erst im letzten Augen⸗ 
blick mit einem groben „Bohl“ an, welches gewöhnlich 
lähmend auf die Beine wirkt, und an den Straßenecken 
erhebt sich zwischen ihm und seinem Pferde über den 
einzuschlagenden Weg nicht selten eine Meinungsver— 
schiedenheit, die nach längerer Ueberlegung in einer 
häufig für beide Teile, unter allen Umständen aber für 
das Pferd ehrenvollen Weise gelöst wird. 
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