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Full text: Die Brautwahl / Hoffmann, E. T. A. (Public Domain)

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und Ihr könnt daraus abnehmen, daß ich gar nicht so feindlich wider 
Euch gesinnt bin, als Ihr es wohl vermeinen möget. Bloß Eure 
alberne Faselei, daß Ihr Euch von dem Commissionsrath überreden 
lasset, Ihr könntet Euch noch mit einem blutjungen, hübschen Mädchen, 
welche aufsprudelt vor Lebenslust, verheirathen, bloß diese Faselei, sage 
ich, kann ich an Euch gar nicht leiden und möchte (5), da Ihr selbst 
jezt, kaum den Schabernack los, den man Euch anthat, wiederum gleich 
an's Heirathen denkt, den Appetit dazu auf nachdrückliche Weise ver— 
treiben, welches ganz und gar in meiner Macht steht. Doch will ich 
das nicht thun, sondern Euch rathen, ruhig zu seyn bis zum künftigen 
Sonntag in der Mittagsstunde, da werdet Ihr denn das Weitere hören. 
Wagt Ihr es, früher Albertinen zu sehen, so lass' ich Euch vor ihren 
Augen erst tanzen, daß Euch Sinn und Athem vergeht, verwandle 
Euch dann in den grünsten Frosch und schmeiße Euch hier im Thier— 
garten in das Bassin oder gar in die Spree, wo Ihr quaken könnet 
bis an Euer Lebensende! — Gehabt Euch wohl! Ich habe heute noch 
etwas vor, das mich nach der Stadt eilen heißt. Ihr würdet meinen 
Schritten nicht folgen können. Gehabt Euch wohl!“ 
Der Goldschmidt hatte Recht, daß wohl keiner so leicht ihm hätte 
folgen können, denn als hätte er Schlemihl's berühmte Siebenmeilen— 
Stiefel an den Füßen, war er mit einem einzigen Schritt, den er zur 
Saalthür hinaus machte, dem bestürzten Geheimen KanzleiSekretär aus 
den Augen verschwunden. — 
So mochte es denn auch geschehen, daß er schon in der nächsten 
Minute wie ein Gespenst plötzlich in dem Zimmer des Commissions— 
rathes stand und ihm mit ziemlich rauher Stimme einen guten Abend bot. 
Der Commissionsrath erschrak heftig, faßte sich jedoch bald zusammen 
und fragte den Goldschmidt ungestüm, was er so spät in der Nacht noch 
wolle, er möge sich fortscheeren und ihn in Ruhe lassen mit den albernen 
Taschenspielerstückchen, die ihm vorzugaukeln er vielleicht im Sinn habe. 
„So sind,“ erwiederte der Goldschmidt sehr gelassen, „so sind nun 
die Menschen und vorzüglich die Commissionsräthe. Gerade diejenigen 
Personen, die sich Ihnen wohlwollend nähern, denen Sie Sich zu— 
trauungsvoll?) in die Arme werfen sollten, gerade diese Personen stoßen 
Sie von Sich! — Sie sind, bester Commissionsrath, ein armer, un— 
glücklicher, bedauernswürdiger Mann, ich komme — renne her noch in 
350) Euch 
35) zutrauensvoll
	        
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