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Volume H. (4)

Full text: Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Ausgabe IX.1859 (Public Domain)

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«J. Manger, Untersuchungen über die Festigkeit von Gementen, 
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Blätter von Zinkblech c einsehieben lassen. 
Hierdurch bilden sich Kasten rf, d von der 
Gröfse der gebrochenen Ziegel mit 4$- Zoll 
Länge, 2^ Zoll Breite und 4 Zoll Tiefe. Der- 
gleichen Formen wurden zwei gemacht, jede 
zu 8 Kästen oder Abtbeilungen, so dafs mit 
telst derselben gleichzeitig 16 Cernentsteiue 
geformt werden konnten. Doch mufs die Form 
vor ihrer Anfüllung jedesmal mit Oel gestri 
chen werden, widrigenfalls der Cement an das Holz und Zink 
blech anhaftet und die unbeschädigte Herausnahme der Steine 
verhindert wird, Auch hat sich herausgestellt, dafs zwar nach 
jedesmaliger Einfüllung der Cementmasse der Cement einen gro- 
fsen Theil des Überschüssigen Wassers nach oben herausstöfst, so 
dafs es von der Form abgegossen werden kann, dafs dies jedoch 
nicht mit allem überschüssigen Wasser geschieht, vielmehr ein 
Theil desselben in der Masse zurückbleibt und in dem erhärte 
ten Cement die Bildung von Luftblasen und Poren verursacht, 
welche die Festigkeit des Steins beeinträchtigen. Um dies zu 
verhüten, ist es nothwendig, die Form nach ihrer Anfüllung 
mehrmals stark aufzustofsen, in Folge dessen die festen Theile 
des Cements näher zusammenrücken und das überschüssige 
Wasser in gröfserer Masse ausstofsen, auch die Nachfülluug 
von Cementmasse in die Form, sobald sie sich als nothwen 
dig herausstellt, vorgenommen werden kann. In diesen For 
men bleibt die Cementmasse so lange stehen, bis sie ausrei 
chend erstarrt ist, um, ohne beschädigt zu werden, als zusam 
menhängende Masse behandelt werden zu können. Die ge 
formten Steine liefsen sich alsdann aus der Form herausneh 
men, nachdem die eine der Leisten b abgeschraubt und die 
Bleche herausgezogen worden waren. Sie wurden sofort in 
gröfseren Gefäfsen unter Wasser gesetzt, insbesondere das Was 
ser ab und zu erneuert, weil es nach einiger Zeit stark alka 
lienhaltig geworden war und der etwaige Einflufs dieses Was 
sers auf die Erhärtung des Cements, weil dergleichen Wasser 
in der Praxis nicht vorhanden ist, verhütet werden sollte. 
Den Versuchen wurden der Medina-Cement und der Port- 
land-Cement aus fünf verschiedenen Fabriken unterworfen, und 
zwar wurden zunächst aus jeder Art des reinen Cements, dar 
auf aus Cement mit Sandmischungen, der Medina-Cement bis 
zu 2 Theilen Sand, die Portland-Cemente bis zu 4 Theilen 
Sand, je IC Stück Cementsteine geformt. Neben der Feststel 
lung der Festigkeit, welche diese Cemente nach der Erhärtung 
erhalten, war die Untersuchung zugleich auf die Beantwortung 
der Fragen gerichtet: 
1) Sind die preufsischen Cemente von derselben Güte wie 
die englischen? 
2) Wie verhält sich die Festigkeit der schnell erhärtenden 
Portland - Cemente zu den langsam erhärtenden? 
Zur Erfüllung dieses Zweckes wurden zwei Portland-Ce- 
mente aus anerkanntem englischen Fabrikat (Francis Brothers 
9 Elms London, und Thomas in Hüll) entnommen, und drei 
Portland-Cemente aus preufsischen Fabriken (zwei berliner 
und der stettiner Fabrik) bezogen. Für die Schnelligkeit der 
Erhärtung dient diejenige Zeit als Norm, welche der reine Ce 
ment bis dahin gebraucht, um aus der Form ohne Beschädi 
gung herausgenommen werden zu können. Hierzu bedurfte: 
ein reiner Portland-Cement, 
welcher mit A bezeichnet werden soll, 1 Stunde, 
desgl. - - B 
- 
- 4 Stunden 
desgl. - - C 
- 
- 2± 
*2 
desgl. - - D 
- 
- 6 
desgl. - - E 
- 
- 21 
der Medina-Cement . . . 
.... 4 - 
Zum beigemischten Sande wurde der hiesige, meistens zur 
Anwendung kommende Sand aus dem Müggelsee, und zwar 
im ungereinigten Zustande, damit die Resultate sich der Praxis 
anschliefsen, entnommen. Derselbe ist ein gelber Quarzsand 
von scharfem Korn, wovon etwa 200 aneinander gereiht, 1 Zoll 
Länge einnehmen, und nicht ganz frei von Staub und vegeta 
bilischen Stoffen. Für gleiche Volumina dieses Sandes und 
des Portland-Cements wurde das Gewichts-Verhältnifs von 
4:3 zu Grunde gelegt, so dafs beispielsweise 1 Theil Sand 
zu 1 Theil Portland-Cement so viel heifst, als 4 Pfund Sand 
zu 3 Pfund Portland-Cement, ebenso 2 Theile Sand und 1 
Theil Portland-Cement gleichbedeutend ist mit 8 Pfund Sand 
zu 3 Pfund Portland-Cement, u. s. w. Für den Medina-Ce 
ment verhalten sich gleiche Volumina des Sandes zum Cement, 
wie 16 zu 9 Gewiehtstheilen. 
Als allgemeine Resultate ergaben sich nunmehr: 
dafs die in preufsischen Fabriken gefertigten Portland- 
Cemente den englischen durchaus gleich stehen, 
dafs die langsam erhärtenden Portland-Cemente eine un 
gleich gröfsere Festigkeit annehmen, als die schnell er 
härtenden, 
dafs eine feste Erhärtung des Portland-Cements unter 
Wasser in Steinen der vorn angegebenen Gröfse in 
durchschnittlich 7 Wochen, die wirkliche Versteinerung 
erst in 14 Wochen eingetreten ist, 
dafs während einer langem Frist als 14 Wochen die Fe 
stigkeit unter Wasser zwar noch etwas, aber unbedeu 
tend zunimmt, 
dafs die Festigkeit des Portland-Cements, wenn er einige 
Wochen hindurch der Luft ausgesetzt wird, nachdem 
er unter Wasser erhärtet war, sich verringert, 
dafs schnell erhärtenden Portiand-Cementcn höchstens 2 
Theile Sand beigemischt werden dürfen, wenn sie unter 
Wasser einen ausreichend guten Wassermörtel geben 
sollen, wogegen sehr langsam erhärtende, wie der Port- 
laud- Cement bei 4 Theilen Sand noch einen brauch 
baren Mörtel geben, 
dafs die schnell erhärtenden Portland-Cemente eine um 
so geringere Sandmischung vertragen, je schneller sie 
anfänglich erhärten, 
dafs die Versteinerung der Portland-Cemente mit Sand- 
Mischungen um so längere Zeit bedarf, je gröfser der 
Sand-Zusatz ist. 
Im Speciellen lassen sich die Verhältnisse der Erhärtung 
aus der auf nächster Seite nachfolgenden Tabelle erkennen. 
Vergleicht man die Bruchgewichte derselben mit den Bruch 
gewichten der Ziegel, so ersieht man: dafs das des am lang 
samsten erhärtenden reinen Portland-Cemente E (602 Zollpfd.) 
das der gewöhnlichen Ziegel (492,5 bis 593,s Zollpfd.) über 
trifft und dem durchschnittlichen Bruchgewicbt sämrotlicher Zie 
gel (628,i Zollpfd ) beinahe gleichkommt, dafs man daher mit 
diesem Cement einen Monolithen zu bilden in der That im 
Stande ist. Insofern man Ziegel mittelst Cement aneinander- 
fügt, indem man sie zu einem Balken bildet, und diesen Bal 
ken wagreebt liegend mit einem Ende an einer lothrechten 
Mauer mittelst einer Cementfuge befestigt, das andere Ende 
aber frei (ununterstützt) in den Raum hinausragen läfst und 
durch Ansetzen von Ziegeln so weit verlängert, bis ein Bruch 
des Balkens stattfindet, so lehrt die Erfahrung, dafs der Bruch 
nicht in der Cementfuge, sondern in einem Ziegel erfolgt. Diese 
Erfahrung wird durch vorstehende Resultate bestätigt, indem 
der eine oder der andere Ziegel wirklich eine geringere Festigkeit 
als der erhärtete Cement hat; ebenso geht hieraus hervor, dafs 
nicht nothwendig der Balken an seinem Befestigüngspunkt bre 
chen mufs, sondern von ihm entfernt brechen kann, je nach 
dem dort ein weniger fester Ziegel vermauert worden ist.
	        
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