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Beilagen II. Rede am Buttmannstage den 5. December 1817

Full text: Festschrift zum 100-jährigen Bestehen (Public Domain)

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Jedoch das größte Werk, das seine Thaten krönet, 
Wodurch sein Name noch zur fernsten Nachwelt tönet, 
Ist die Gesellschaft, die sein Genius gebar, 
Und deren Solon er seit bald zwei Lustern war, Ü 
Im kleinen zeigt in ihr sich vor den Augen aller 
Das Bild des Staats verjüngt, das Dabelow, von Haller, 
Und andre Weise mehr in Büchern kund gethan. 
Die Freiheit, glaub es Welt, ist nichts als Kinderwahn, 
Den freche Bündler nur und Jacobiner nähren, 
Um ihre Schäfchen so methodischer zu scheeren. 
Mit glatten Worten sahn wir erst uns angekörnt, 
Es sei gesetzlos hier und jeder Zwang entfernt: 
Die Konstitution bestand in wenig Sätzen; 
Doch ach sie schützte nicht vor souveränen Netzen. 
Sie hatten uns umstrickt in unbesorgter Ruh: 
Urplötzlich zog er sie mit schlauen Händen zu. 
Wir mußten männiglich nach seiner Pfeife tanzen: 
Traktate schloß er ab und neue Allianzen. 
Die Konstitution ward jämmerlich verdreht, 
Und übers Recht errang den Sieg die Majestät. 
Kurz er ward Souverän; doch wollen wir ihn rühmen 
Und halten ihn getrost für einen Legitimen. 
Naturgang will es so: verehrte Gönner, glaubt, 
Ein Körper wird zum Rumpf, beseelt ihn nicht ein Haupt. 
Wir fügten willig uns in diesen Lauf der Dinge, 
Und fanden, daß es jetzt so gut als vormals ginge. 
Ist auch der Tisch nicht mehr so reich wie sonst bestellt, 
So liegt es nicht an ihm, vielmehr am Gang der Welt. 
Heil unserm edlen Haupt! Wie ist er nicht beflissen 
Sich selbst und andre auch mit köstlichen Genüssen 
Trotz seinem hohen Amt mildgnädig zu versehn; 
Mit Gimmeldinger Wein, mit Elfer stark und schön, 
Der nie zu Ende geht, so viel er mag bestellen, 
Mit Früchten feiner Art, mit edlen Mirabellen, 
Ich kenn die Namen kaum, und Käsen aus Greyerz. 
O diese Sorge rührt zu Thränen fast mein Herz. 
Zum Muster macht es ihn erhabner Potentaten, 
Und sein beglücktes Reich zur Quintessenz der Staaten. 
Dem Wunsche kommt er selbst mit zarter Huld zuvor, 
Nimmt auch die Last uns ab am Packhof und am Thor. 
Er ist in die Natur des Käses tief gedrungen; 
Er prüft der Weine Werth mit vielgeübter Zungen. 
„Ein ächter deutscher Mann” sagt Deutschlands Stolz und Stern
	        
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