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bewerbern wie spielend um eines Pferdes Länge
voranzubleiben. ‚.. Es liegt eine große Gefahr in
jener Art von Begabung. Wenn solche Naturen sich
nicht rechtzeitig zusammenfassen, werden sie unrettbar
sich zerflattern und zerblättern; über der wechselnden
Vielseitigkeit der Interessen vermögen sie nicht einen
festen Kern anzusetzen. Aber eines pflegen sie gewiß
zu sein und zu bleiben, Herrscher und Meister echter
Geselligkeit. Auch Buttmann war das; er übte eine
von niemandem bestrittene, von allen dankbar aner-
kannte Herrschaft aus in der von ihm gegründeten
Gesetzlosen Gesellschaft, welche die hervorragendsten
Geister des damaligen Berlin vereinigte. .... Den
festen Kern, ‚dessen er bedurfte, gab ihm die zufällig
an ihn herangetretene Aufgabe, eine kurze griechische
Grammatik zu verfassen. Es liegt eine eigne Äußerung
Buttmanns über diese erste Arbeit vor: „„Zeitlebens
erinnere ich mich des Winters 1791/92, während
welchem ich jene sieben Bogen mühsam aus den An-
gaben der ganz gewöhnlichen Grammatik und den
[ragmentarischen Resultaten eignen Nachdenkens über
eine, damals besonders, noch sehr sparsame Lesung der
Alten zusammensetzte. Zeitlebens gedenke ich der
kopfbrechenden, in meinen Träumen selbst mich ver-
folgenden Sorgen, die mir die erste Abfassung der
dritten Deklination machte.““ Hier ist die Geburts-
stunde der heutigen Sprachwissenschaft geschildert.
In der Tat hat Buttmann ganz aus sich die Auf-
gabe erfaßt und angegriffen, die verwirrende Fülle der
vorliegenden Spracherscheinungen durch die Erforschung
der Gesetze, welche die Differenzierung der einfachen
Typen hervorgerufen haben, einfach und verständlich
zu machen. Aus jenen unscheinbaren Anfängen ist
der große Bau seiner griechischen Grammatik hervor-
gegangen; die etymologischen Studien seines Lexilogus
sind dabei abgefallen, und wenn beide Bücher nur