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Eindrücke Vom anderen Ufer

Full text: Berliner Skizzenbuch / Heijermans, Herman (Public Domain)

Vom anderen Ufer. 197 
türöffnung, überrascht durch den Besuch eines Fremden 
— der Pianospieler verharrte mit erstarrten Händen 
auf den Tasten — die verlebte Frau neben ihm 
blickte mit großen, schwarzen Augen auf uns. 
Unter den Huträndern weg, aus den Augenspalten, 
von der Seite und neben uns wurden wir prüfend 
beobachtet. Das Mißtrauen von zirka zwanzig, dreißig 
Wenschen prallte mit beklemmender, feindseliger, ver— 
legenmachender Stille auf uns zu. Die Karten in 
den Händen, der Daumen auf der Fächerform, be— 
wegten sich nicht — die Köpfe bewegten sich nicht — 
die Lippen bewegten sich nicht — die Augen bewegten 
sich nicht. 
Da rief der Wirt, wie um dem Besucher zu 
zeigen, wie Wurst er ihm sei, mit brutaler Stimme 
vom Buffet her: „... Spielste oder spielste nich?“ 
Und der Pianist drehte mir den Rücken zu, fuhr 
absichtlich mit voller Gewalt beider Pedale in dem 
unterbrochenen Walzer fort. 
Das falsche Fröhlichkeitsgerase schien der Gesell— 
schaft Luft zu machen. 
„Carreau!“ brummte unwirsch eine Stimme. 
Eine Karte klatschte auf den Tisch — andere Karten 
klappten heftig nach, und während der Fremde von 
seinem Bier trank, schien das Gleichgewicht wieder 
hergestellt. 
Scheinbar. 
Denn, was ich auch tat, wie ich meine Finger 
bewegte, wie anscheinend gleichgültig ich die Rauch— 
wolken meiner Zigarre fortblies — die Frau neben
	        
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