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Full text: Bericht des Oberbürgermeisters Kirschner an den Minister des Innern / Kirschner, K. A. Martin (Public Domain)

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innert —, so kann man sich kaum erklären, wie es möglich ist, 
jaß in Deutschland, insbesondere in den Parlamenten, Berlin nicht 
selten eine unfreundliche Beurteilung, wie sie sich in dem be- 
zannten Ausspruche vom Wasserkopfe Berlin ausdrückt, erfährt, 
und daß jedenfalls Erwägungen dahin, es könne eine Maßregel 
Berlin nachteilig sein, in weiten Schichten unseres Volkes kaum 
auf Beachtung und Berücksichtigung zu rechnen haben. 
Die einzige denkbare Erklärung für diese auffällige Er- 
scheinung, daß nämlich in unserem Vaterlande weite Kreise der 
Reichshauptstadt gegenüber eine unfreundliche Haltung einnehmen, 
ınd demgemäß ihre weitere Kräftigung nicht wünschen, kann nur 
darin gefunden werden, daß jehe Kreise mit der parteipolitischen 
Haltung der Berliner Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten nicht 
einverstanden sind. Hine Stellungnahme gegen eine umfassende 
Eingemeindung aus dieser Empfindung heraus, würde aber nach 
meiner Überzeugung innerlich unberechtigt und praktisch ganz 
uanhaltbar sein. 
Die Gemeindeverfassung und die Selbstverwaltung ist nicht 
Sache der Parteipolitik und sollte niemals von einem partei- 
politischen Standpunkte aus beurteilt werden. Die Bürger aller 
Parteien haben gleichmäßigen Anspruch auf die Förderung ihrer 
Gemeindeangelegenheiten; die in der Gemeindeverwaltung etwa 
unvermeidlichen politischen Streitigkeiten, die im Interesse der 
Gemeinde möglichst einzuschränken sind, werden in einer den 
tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden, verwaltungsrechtlich 
gut organisierten, machtvollen Gemeinde besser zum Austrag ge- 
bracht werden können, als in einer Mehrheit von Gemeinden, welche 
siner solchen Organisation entbehren, 
Weiterhin aber wird doch an der parteipolitischen Gesinnung 
der Bevölkerung von Groß-Berlin dadurch nichts geändert, daß sie 
hinsichtlich der Gemeindeverwaltung in eine geringere oder größere 
Anzahl von Gemeinden getrennt bleibt und nicht zu einer Gemeinde 
vereinigt ist. In den einzelnen Wahlkreisen, deren Grenzen sich 
schon jetzt mit den Grenzen der Gemeinden nicht decken, werden 
die Wahlen zum Reichs- und Landtage im wesentlichen in der- 
selben Weise ausfallen, gleichviel ob Groß-Berlin als Gemeinde 
»rganisiert ist oder nicht. Auf dem Gebiete der Gemeindever- 
waltung aber würde, wenn wirklich politische Übergriffe erfolgen 
sollten, die Staatsregierung solchen Übergriffen wirkungsvoller 
antgegentreten können, wenn sie einer großen Gemeinde, als wenn 
sie einer Mehrheit wirtschaftlich vereinigter Gemeinden gegenüber-
	        
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