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Full text: Bericht des Oberbürgermeisters Kirschner an den Minister des Innern / Kirschner, K. A. Martin (Public Domain)

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von Fällen die Kosten der Fürsorge-Erziehung tragen muß, obwohl 
die Eltern der Fürsorgezöglinge ihren Wohnsitz in den Vororten 
genommen haben, weil die Kosten gesetzlich demjenigen Land- 
armenverbaude zur Last fallen, in dessen Bezirk das beschließende 
zuständige Vormundschaftsgericht liegt, und weil das hiesige 
Amtsgericht bisher unter Billigung des Kammergerichts „mit 
Rücksicht auf die leichte Verbindung der Vororte mit dem Gerichte 
in Berlin“ es abgelehnt hat, einmal bei ihm angängig gewordene 
Sachen an das Gericht des Wohnortes der aus Berlin verzogenen 
Eltern abzugeben. 
Diese Verwaltung hat ferner darauf aufmerksam gemacht, 
daß bei der Einheitlichkeit des Bezirks von Groß-Berlin und dem 
häufigen Verzuge der Pflegeeltern in diesem Bezirke von einer 
Gemeinde in die andere, sich die Waisenpflegekinder nicht immer 
in der eigenen Gemeinde unterbringen lassen, daß beim Unterbringen 
in den Nachbargemeinden aber, insbesondere wegen der Ver- 
schiedenheit der Grundsätze bei der Auswahl der Pflegeeltern und 
bei der Beaufsichtigung dieser und der Kinder und wegen der 
ungleichen Höhe des Pflegegeldes, mancherlei Schwierigkeiten 
entstehen. Mit den Nachbargemeinden, welche ein Aufsichtsrecht 
über die in ihrem Bezirk untergebrachten Berliner Pflegekinder 
beanspruchten, mußten besondere Abkommen getroffen werden, so 
z. B. ist für die Aufsicht über die in Charlottenburg unterge- 
brachten Berliner Pflegekinder mit Zustimmung von Charlottenburg 
ein besonderer im Dienste von Berlin stehender Waisenvater 
bestellt, der Charlottenburger Deputation für die Waisenpflege 
aber eine Mitwirkung bei Auswahl der Pflegestellen eingeräumt 
worden. 
Besonders übelständig wird endlich auf dem Gebiete der 
Armenpflege im weiteren Sinne der gegenwärtige Zustand von der 
städtischen Stiftungsdeputation empfunden. Diese Deputation 
verwaltet die für die Wohltätigkeit außerhalb des Rahmens der 
öffentlichen Armenpflege bestimmten städtischen Fonds, soweit 
diese Verwaltung nicht anderen Verwaltungsstellen übertragen ist; 
das von ihr verwaltete Vermögen betrug am 81. März 1904 über 
29 Millionen. Die von ihr verwalteten Fonds sind fast ausnahms- 
los stiftungsgemäß für Berliner Einwohner bestimmt. Es gehen 
bei der Deputation nun sehr häufig an sich berücksichtigungs- 
werte Gesuche um Aufnahme in städtische Anstalten oder um 
Unterstützungen ein, welche zurückgewiesen werden müssen, weil 
lie Bewerber, die den größten. Teil ihres Lebens in Berlin zu-
	        
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