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Achtzehnter Abschnitt. Verschiedenes

Full text: 25 Jahre sozialdemokratischer Arbeit in der Gemeinde / Hirsch, Paul (Public Domain)

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richtung große Ersparnisse machen. Der etwaige Einwurf, die Armen 
sollten nun zur Verbrennung gezwungen werden, sei einfach damit zu 
widerlegen, daß auf Wunsch auch bei ihnen die Beerdigung zu erfolgen 
hätte. Zweifellos seien aber in Berlin stets so viel Leichen vorhanden, daß 
die Einäscherung fortdauernd geschehen könne. Und selbst, wenn dem nicht 
so wäre, würde die Stadt doch sehr große Ersparnisse machen. 
Der Magistrat hatte erwidert, daß die großen, zurzeit kaum über— 
windlichen Schwierigkeiten, die einer Erlaubnis zur Feuerbestattung in 
Preußen entgegenständen, aus den Verhandlungen, welche der bezügliche 
Verein zu Frankfurt a. M. erst kürzlich gepflogen, deutlich hervorgingen. 
Der Magistrat habe wiederholentlich, zuletzt durch Gestattung des Baues 
einer Urnenhalle auf städtischem Terrain, zu erkennen gegeben, daß er der 
fakultativen Feuerbestattung durchaus nicht feindlich gegenüberstehe. Zunächst 
würde er sich mit der Feststellung zu beschäftigen haben, ob für die städtische 
Verwaltung die Feuerbestattung überhaupt verwertbar, ob sie ratsam und 
wie sie auszuführen sei. Der erhebliche Kostenpunkt spiele hierbei eine 
bedeutendere Rolle, als gewöhnlich vermutet werde. 
Aus dieser Antwort entnahmen die Petenten, daß der Magistrat 
Bedenken trage, ihrem Antrage zuzustimmen, obgleich er der fakultativen 
Feuerbestattung durchaus nicht feindlich gegenüberstehe. Sie wandten sich 
daher an die Stadtverordnetenversammlung mit der Bitte, sich für den 
Antrag auszusprechen und den Magistrat zu bewegen, sich demselben 
gleichfalls anzuschließen. 
Im Petitionsausschuß, welcher die Angelegenheit einer eingehenden 
Beratung unterzog, wurde einerseits der Meinung Ausdruck gegeben, daß 
die gesetzlichen Bestimmungen aus einer Zeit stammten, in welcher die 
Feuerbestattung noch nicht in Frage stand, und daß sie wohl nicht so weit 
gingen, die Feuerbestattung ausdrücklich zu verbieten. Es erscheine deshalb 
um so mehr geboten, den Anträgen Rechnung zu tragen und danach zu 
streben, denjenigen die Feuerbestattung zu ermöglichen, welche sie wollen, 
als doch schon jetzt die Überführung von Leichen zur Verbrennung nach 
außerhalb sowie die Rückführung der Aschenreste nach Berlin und deren 
Beisetzung gestattet sei. Die Schädlichkeit der Beerdigung auf den Kirch- 
höfen in sanitärer Beziehung könne indessen für die Feuerbestattung allein 
nicht sprechen, da sie wissenschaftlich vielfach verneint worden wäre, während 
zur Begegnung der Bedenken in kriminalistischer Richtung bei Einführung 
der Leichenverbrennung allerdings die Einführung obligatorischer Leichenschau 
getroffen werden müßte. Bei Beurteilung der Frage seien allein Nützlich— 
keits- und Zweckmäßigkeitsgründe maßgebend, und diese sprächen für die 
Zulässigkeit der Feuerbestattung. Schon jetzt werde es immer schwieriger, 
Terrains zu Kirchhöfen von ausreichendem Umfange zu erwerben, und die 
Stadt Berlin habe in dieser Beziehung ein wesentliches finanzielles Interesse 
an der Sache. 
Der Magistratsvertreter teilte mit, daß bei dem jetzt üblichen Beerdigungs⸗ 
modus der städtische Friedhof bei Friedrichsfelde in vielleicht zehn Jahren 
voll belegt sein werde; der Magistrat hoffe deshalb, wenigstens die 
Genehmigung zur Verbrennung der nicht rekognoszierten, unbekannt 
gebliebenen Leichname und der aus der Anatomie zurückgelieferten Leichen 
oder Leichenteile zu erlangen, wodurch die Stadt die Erdbestattung von
	        
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