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Zehnter Abschnitt. Schulgesundheitspflege

Full text: 25 Jahre sozialdemokratischer Arbeit in der Gemeinde / Hirsch, Paul (Public Domain)

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nur eine Reihe von Wochen dort sein, oder aber sie würden längere Zeit 
den Unterricht versäumen müssen. All das würde durch die Einrichtung, 
von Waldschulen vermieden werden. 
In Ausführung des Beschlusses vom 7. Dezember 1905 beantragte 
der Magistrat dann im Jahre 1907 die Errichtung einer Walderholungsstätte 
in Buch für 200 schwächliche Schulkinder, in der während der einen Hälfte 
des Sommers 200 Knaben, während der anderen Hälfte 200 Mädchen 
Aufnahme, Verpflegung und Unterricht finden. Die Sozialdemokraten 
machten im Ausschuß den Versuch, die geplante Anstalt das ganze Jahr 
hindurch im Betrieb zu halten, indem sie folgende Fassung vorschlugen: 
1. Die Versammlung ersucht den Magistrat, auf dem städtischen Wald— 
gelände in Buch eine Walderholungsstätte für schwächliche und kränk 
liche Kinder mit festen Gebäuden auch für den Winterbetrieb zu errichten, 
in der abwechselnd Knaben und Mädchen Aufnahme, Verpflegung, 
ärztliche Aufsicht und eventuell auch Anterricht erhalten. 
In dem Entwurfe ist ein ärztliches Sprechzimmer vorzusehen. 
Die Wirtschaftsbaracke soll eine Badeanlage umfassen, enthaltend eine 
Brausebadeeinrichtung mit 10 Auskleidezellen und 5 Wannen — davon 
3 hölzerne für Solbäder — sowie zwei besondere Wannen für das 
Lehr⸗bzw. Betriebspersonal. 
Die Mehrheit des Ausschusses konnte sich aber nicht einmal für die 
Magistratsvorlage, geschweige denn für den sozialdemokratischen Antrag 
erwärmen, sie schlug der Versammlung vor, zu beschließen: 
Die Versammlung lehnt den Antrag des Magistrats ab und ersucht 
denselben um eine möglichst baldige neue Vorlage, betreffend Errichtung 
einer Walderholungsstätte für kränkliche und genesende Kinder ohne 
Unterschied des Alters und Geschlechts, welche das ganze Jahr hindurch 
geöffnet ist und woselbst auch hierfür geeignete Kinder Schulunterricht 
bei ärztlicher Aufsicht erhalten können. 
Zu der Plenarberatung am 9. Januar 1908 brachten die Sozial— 
demokraten folgenden Gegenantrag zu dem Antrag des Ausschusses ein: 
Die Versammlung stimmt dem Magistratsantrage zu und ersucht 
gleichzeitig den Magistrat, baldigst eine Walderholungsstätte mit festen 
Gebäuden auch für den Winterbetrieb zu errichten, in der abwechselnd 
200 schwächliche und kränkliche Knaaben und Mädchen Aufnahme. Ver— 
pflegung, Unterricht und ärztliche Aufsicht finden. 
Als Fraktionsredner wurde diesmal wieder Koblenzer vorgeschickt, 
der vor der Annahme des Ausschußantrags warnte. Dies würde eine 
Vertagung auf mehrere Jahre hinaus bedeuten, und Hunderte von Kindern, 
denen durch die Annahme der Magistratsvorlage eine Wohltat erwiesen 
würde, wären dann von dieser Wohltat ausgeschlossen. Der Antrag des 
Ausschusses bedeute etwas ganz anderes als was die Versammlung seiner 
Zeit geplant hätte, die Versammlung hätte damals nicht beschlossen, ein 
Sanatorium zu errichten für kranke Kinder, sondern Heimstätten, in denen 
die Kinder auch Unterricht erhalten sollen. Das Beste sei die Annahme 
des sozialdemokratischen Antrages, der die gewünschte Einrichtung schon in 
diesem Jahre bringe, zugleich aber den Magistrat um weitere Schritte 
ersuche, um dem darüber hinaus noch bestehenden Bedürfnis Rechnung 
zu tragen.
	        
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