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Siebenter Abschnitt. Spezielle Arbeiterpolitik

Full text: 25 Jahre sozialdemokratischer Arbeit in der Gemeinde / Hirsch, Paul (Public Domain)

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3. 
Der Lohn ist für die unter 1 und 2 erwähnten Fälle fortzuzahlen, jedoch 
ist der Betrag abzuziehen, der dem Arbeiter aus einer, auf Grund ge— 
setzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfallversicherung 
oder auf Grund des Reichsgesetzes, betreffend Unterstützung von Familien 
der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften, vom 10. Mai 1897 
zukommt. 
Der Ausschuß lehnte diesen Antrag nach kurzer Beratung ab. Die 
Nummerl der Normen des Magistrats wurde genehmigt, in Nummer 2 
wurde hinzugefügt: 
Falls der Arbeiter seit länger als einem Jahre im städtischen Dienst 
sich befindet, ist der Lohn mindestens für einen Zeitraum von 6 Wochen 
zu gewähren. 
Nummer 3 erhielt folgende Fassung: 
In Fällen der militärischen Einziehung zu den 12 bis 14 Tage 
währenden Landwehrübungen ist der Lohn nach Abzug der reichs— 
gesetzlichen Unterstützungen fortzuzahlen. Verheiratete Reservisten, welche 
über 2 Jahre im städtischen Dienst stehen, erhalten bei längeren Friedens- 
übungen während 4 Wochen die Hälfte ihres Lohnes. 
Die Nummern 4 und 5 blieben unverändert, der ursprüngliche 
Antrag der Fraktion wurde abgelehnt. 
Zu der Plenarberatung am 5. Juni 1902 wiederholten die Sozial⸗ 
demokraten nicht nur ihre vom Ausschuß abgelehnten Anträge, sondern sie 
beantragten außerdem noch: 
Im Falle eines Akkordlohnes ist als Entschädigung der einem Durch- 
schnittsbetrag des gewöhnlich verdienten Lohnes entsprechende Betrag 
zu zahlen. 
In der Debatte erkannte Heimann im Namen der Fraktion an, 
daß die Herren vom Magistrat in einzelnen konkreten Fällen bereit seien, 
weiter zu gehen, als der Magistrat nach Lage der Gesetzgebung verpflichtet 
sei. Aber die Art und Weise, wie der Magistrat dies Mehr gebe, sei 
nicht geeignet, bei den Arbeitern Gefühle der Zufriedenheit und Befriedigung, 
die sie nach Ansicht der bürgerlichen Vertreter darüber eigentlich empfinden 
müßten, zu erwecken. Dieses Mehr werde eben nicht gegeben als ein 
Recht, welches allen Arbeitern gleichmäßig zusteht, sondern gewissermaßen 
als Zuckerbrot, das besonders gut gesinnten Arbeitern als besondere 
Vergünstigung zufällt. Das sei aber nicht der richtige Weg. Weiter übte 
Heimann Kritik an den Beschlüssen des Ausschusses, in denen keine irgend⸗ 
wie neuen etwas weiteren Gesichtspunkte zu entdecken seien. Der Ausschuß 
habe sich teilweise dem Gewicht des von sozialdemokratischer Seite bei⸗ 
gebrachten Materials nicht ganz entziehen können, und so habe er sich denn 
hingesetzt, und in peinlicher — um nicht zu sagen: kleinlicher — Weise 
erwogen, ob man nicht vielleicht unter gewissen Voraussetzungen und 
Kautelen hier oder dort noch einen oder einige Tage zulegen könnte. Auf 
diese Weise seien einige kleine geringfügige Verbesserungen entstanden, aber 
diefen kleinen Verbesserungen ständen auf der anderen Seite Verschlechterungen 
gegenüber, die geeignet selen, das bißchen Gute, was der Ausschuß geschaffen 
habe, vollkommen zu überdecken. 
Zur Empfehlung der sozialdemokratischen Anträge führte der Redner 
der Fraktion aus, daß durch ihre Amnahme die städtischen Angestellten
	        
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