Path:
Fünfter Abschnitt. Kommunale Arbeiterpolitik und Sozialdemokratie

Full text: 25 Jahre sozialdemokratischer Arbeit in der Gemeinde / Hirsch, Paul (Public Domain)

175 — 
direkte Bauausführung durch Arbeiter oder Arbeitsgruppen eine Organisation 
der Behörden und eine Vermehrung der Beamten bedingen würde, welche 
einen Nutzen für die Stadt nicht erhoffen ließe. Außerdem würde das 
Maß der Tätigkeit der bauleitenden Beamten in nicht abzusehender Weise 
gesteigert werden und wenn, wie dies geschehen, der Magistrat die ihm als 
ausführende Behörde obliegende Verantwortlichkeit für die von den 
Petenten beantragte Änderung des Verfahrens bei Bauausführungen 
ablehne, so dürfte die Versammlung wohl nicht in der Lage sein, ihm eine 
solche zu oktroyieren. 
Aus diesen Gründen ging der Ausschuß über die Petition zur 
Tagesordnung über, ja, er lehnte sogar den Vermittelungsvorschlag ab, in 
der von den Petenten angegebenen Richtung doch wenigstens bei einem 
Bau einen Versuch zu machen und, je nach dem Ausfalle desselben, die 
Sache dann aufzugeben oder im Bewährungsfalle weiterzuverfolgen. 
Im Gegensatz zu dem Antrag des Ausschusses beantragten die Sozial⸗ 
demokraten, als die Petition am 25. September 1890 im Plenum zur 
Beratung kam: 
Die Versammlung wolle unter Ablehnung des Antrags des Petitions 
ausschusses beschließen, den Magistrat zu ersuchen, mit der Stadt⸗ 
verordnetenversammlung in gemischter Deputation über die Ausführung 
der von der Freien Vereinigung der Maurer und Fachgenossen Berlins 
beantragten Reform des städtischen Bauwesens zu beraten. 
Singer begründete den Antrag in längerer Rede, in der er auf die 
Mängel des Submissionswesens und die Notwendigkeit der Beseitigung 
dieser Schäden hinwies sowie die Pflicht der Stadtgemeinde betonte, zu 
einer Zeit, wo von allen Seiten die Einführung von Schutzbestimmungen 
für die Arbeiter gefordert wird, in dieser Beziehung voranzumarschieren 
und mindestens zu prüfen, inwieweit Einrichtungen zu treffen sind, durch 
welche die Zustände gebessert werden können. 
Gegenüber den Ausführungen des Stadtoerordneten Wohlgemuth, ded 
den sozialdemokratischen Antrag scharf bekämpfte und sich zu der Äußerung 
oerstieg, die Petenten wollten nichts anderes, als die Stadt sozialisieren, 
ergriff Singer noch einmal das Wort: 
„Es handelt sich nicht um die Einführung des sozialistischen Staates, 
sondern darum, Äbelstände, welche die Majorität unserer Mitbürger, 
die Arbeiterklasse, schädigen, zu beseitigen, Äbelstände, die aus Klaffen⸗ 
interesse, und zwar im Interesse der besitzenden Klasse konserviert werden. 
Da Herr Kollege Wohlgemuth in seinen Ausführungen diesen Stand— 
punkt eingenommen hat, so muß ich ihm allerdings sagen, daß mich der 
Umstand, daß mit Annahme unseres Antrages der kommunale Sozialismus 
etabliert werden könnte, daß es ein Schritt zur Errichtung des sozialistischen 
Staates sein könnte, von meinem Standpunbt aus gar nicht zurückschreckt. 
Aber wie behandeln Sie denn solche wirtschaftlichen Fragen? Sie lehnen 
es ab, indem Sie mit Rücksicht auf eine vielleicht später einmal ein⸗ 
tretende Entwicklung sich unserem Antrag gegnerisch gegenüberstellen, 
Schädlichkeiten und Übelstände, die von Ihnen selbst anerkannt werden, 
und die, ohne den Boden der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung 
auch nur anzutasten, abzuändern eine Kleinigkeit ist, zu beseitigen. Sie 
oerweigern in starrer Festhaltung der manchesterlichen Prinzipien all 
und jede Forderung der weiteren Bevölkerung; das stimmt allerdings
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.