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Centralblatt der B auverwaltang.
U. September 1882.
Die neue Wehranlage besteht aus 3 Abschnitteu, die durch
2 massive Mittelpfeiler, welche zur Auflagerung der Balken einer
3,90 in breiten Iiolzbrüeke dienen, von einander getrennt sind. Das
jetzige Oberwasser liegt auf der Ordinate 11,25 ui, das Unterwasser
auf 8,75 di, der .Fachbaum auf 10,00 m. Die beiden, 12,00 m weiten
Seitenöffnungen sind mit je 5 Schütztafeln von 2,00 m Höhe, die sich
gegen waizeiserue Griesständer legen, abgeschlossen. In Rücksicht
auf die Abführung des Eisganges hat die rechtsseitige Oeffnung lose,
die linksseitige feste Griesständer erhalten. Letztere nimmt aufser
dem Mühiengerinne und der Freischleuse noch einen hölzernen
Fischpats auf. Der auf die oberen Enden der Griesständer und die
Aufziehvorrichtungen übertragene Wasserdruck wird durch eiserne
Kastenträger aufgenommen, welche auf den massiven Pfeilern unter
halb der Brücke ihr Auflager finden.
Der mittlere Abschnitt hat eine lichte Weite von 5,20 m zwischen
den 1,50 m starken Mittelpfeilern. Er dient als Flofssehleuse und
hat als Abschlufa ein Trommelwehr erhalten. Fig. 1 und 2 geben
in GruDdrifs und Längenschnitt ein Bild der gesamten Anordnung,
Fig. 3 gibt einen Querschnitt durch die mittlere Oeffnung. Der Wchr-
rücken ist, um an Wasser und an Construetionsböhe zu sparen', auf
10,20 gelegt worden. Die Stauklappe des Trommelvvebrs ist bis
zur Mitte der Drehwelle 1,92 m hoch, bei einer Stauhöhe von 1,80 m
über dem Fachbaum. Die Gegenklappe Ist 0,23 m länger. Die Breite
der walzmemen Doppelklappe ruilst 5,20 m. Die Gegenklappe be
wegt sich in einem mit Mauersteinen eingefafsten Quadranten, dessen
Cylinderfläclio mit 3 cm starkem Cementputz abgeglättet ist. Dieser
Viertelcylinder wird durch 10 mm starke Eisenplatten, die auf
XEisen liegen, nach oben hin abgeschlossen. Tm linksseitigen Pfeiler
liegen die BetriebsincclmnismeD, sowie die Zu- und Abführungscanäle
für das Betriebswasser. Im rechtsseitigen Pfeiler ist das gufseisenie
Ableitungsrohr für die Spülung der Kammer eingemauert. Die
Spülung erfolgt durch Oeffnung eines Drosselventils, das in dem
nach dem Unterwasser gelegenen Ende des Rohres angebracht ist.
Der hier zum Austritt gelangende Spülstrom fliefst vorher durch den
linken Pfeiler in die Trommel und reinigt sie während der Durch
strömung vom eingetriebenen Sand.
Die Trommel wird von der Gegenklappe in 2 Theilc getheilt,
deren jeder beliebig mit dem Ober- oder Unterwasser in Verbindung
gebracht werden kann. Wenn der vor der Gegenklappe befindliche
Theil mit dem Oberwasser in Verbindung steht, so herrscht auf der
auderen Seite Unterwasserstand, und das Wehr ist geschlossen.
Läfst man dagegen Oberwasser hinter die Gegenklappe treten,
während gleichzeitig eine Verbindung des anderen Theiles der
Trommel mit dem Unterwasser hergestellt wird, so erfolgt eine Um
legung der Doppelklappe, also eine Oeffnung des Wehrs. Die Be
wegungsvorrichtungen sind derart gekuppelt, dafs die zu einander
gehörigen Drosselventile zu gleicher Zeit in Bewegung gesetzt werden,
d. h. (lala das eine derselben um eben so viel geöffnet, als das andere
geschlossen wird.
Bei den an der Marne zur Ausführung gelangten Desfontaines-
schen Wehren hat sich einige Zeit nach der Betriebseröftrmng das
Bedürihifs herausgestellt, die Stauklappen durch Streben, welche bei
der Umlegung des Wehrs in Gleitbahnen fallen, zu unterstützen.
Es erwies sich nämlich als uogemeiu schwierig, einen dichten Schliffs
zwischen der Gegenklappe und dem Cylindermantel der Trommel
herbeizufükren. Bei dem Tarnowker Wehr ist ein LederstreifeD, der
auf dem Cementputz der Trommelfläche schleift, an dem Ende der
Klappe befestigt.
Nach der Eröffnung wurde festgestellt, dafe bei 2,50 m Unter
schied zwischen dem oberen und unteren Wasserstand die Doppel-
klappe in 80 Secunden niedergelegt und in eben so viel Zeit wieder
aufgerichtet werden kann. Da man nur die Drosselventile zu öffnen
braucht, so genügt ein einziger Mann zum Oeffben und Schliefsen
des Wehrs, während früher zum Auf- und Zusetzen der Schützen
losständer bei der alten Flofssehleuse stets 6—8 Mann erforderlich
waren. Die Kosten der ganzen Stauanlage haben 55 000 J(, also für
£fj
das Meter Wehrlänge — betragen. — K.—•
Ton der bayerischen Landesausstellung in Nürnberg.
Das Baa-Ingenieorfach und das Verkehrswesen.
Kannarsch nennt die periodischen Gewerbe- und Industrie-Aus
stellungen Fördcrungsmittel der Production und hält es für ihre Auf
gabe. den Fortschritt der Industrie vor Augen zu führen und deren
statistische und volkswirtschaftliche Seite zu beleuchten. Dieses
Ziel verfolgend, hat man nicht mit Unrecht auf der bayerischen
Landesausstellung in Nürnberg* von vornherein besonderes Gewicht
darauf gelegt, das Verkehrswesen des Landes, den mächtigsten
Hebel zur Förderung seiner Production, in möglichster Vollständig
keit vorzuführen. So entstand die umfangreiche und inhaltsvolle
Ausstellung des Verkehrswesens und des Ingenieurläehes.
Es ist ersichtlich, data in. einem Staate, in dem von Beginn des
Eisenbahnbaues an das Staatsbahnsystem zur fast ausschliefslicben
Entwicklung gelangt ist, eine solche Ausstellung nur unter Tiieil-
nahrae der Staatsverwaltung verwirklicht werden konnte. Thatsäch-
licb wird auch das zu besprechende Gebiet vom Staate fast allein
beherrscht. Wenn man auf der Düsseldorfer Ausstellung im Jahre
1880 infolge der zu geringen Betheiligung der Verwaltungen (ab
gesehen von der Rheinischen Eisenbahn) die schwache Vertretung
des Bau-Ingenieurwesens zu bedauern hatte, so kann man dagegen
mit Recht behaupten, dafs dasselbe in Nürnberg eine hervorragende
Stellung einnimmt.
Der Ausstellungsplatz, das Maxfeld, ein Park von 120 000 qm
Grundfläche, liegt im Nordosten der Stadt und ist mit dem Staats
bahnhof durch eine Danipfstrafsenhahn verbunden. Mitten unter
alten Linden und Kastanien, geschmückt mit allen Mitteln der mo
dernen Gartenbaukunst, vertheift sieh die Ausstellung auf vier gröfsere
Gebäude. An den Hauptbau mit 17 600 qm Grundfläche schliefst
sich die Maschinen- und Wagenhalle mit 4960 qm, die Ausstellungs
halle für das Verkehrswesen mit 3500 und die Kunsthalle mit 3800 qm
bedeckter Fläche. Der etwas überladenen Fapade des Hauptbaues
kann man nur in Hinsicht auf die Gesamtvsirkung des Parkes voll
kommen gerecht werden. Betreten wir, auf unser Ziel losgehend,
die 35 m hohe Vorhalle, so findet sich gleich links die Ausstellung
des Ministeriums des Innern mit den Abteilungen für Hochbau,
Ingenieurwesen, der Rrandversicherungskammer, des Büreaus für
Wasserversorgung und des Oberbergamtes. Rechts ist das städtische
Bauwesen Nürnbergs eingehend dargestellt. An der Hand des uus
freundlichst zur Verfügung gestellten Specialkatalogs finden wir zu
nächst aus dem Strafsenhau eine graphische Darstellung der Ver
teilung, Art und Kosten der Deckmaterialien auf den Staatstrafsen
* Bis zum 15. Oetober d. J. geöffnet.
im Kreis Oberfranken, der mit 658 km ungefähr den zehnten Theil
der bayerischen Staatsstrafseu aofweist. Auf 1 Kilometer treffen
328 JC jährliche Unterhaltungskosten, wobei 1 Strafsenwärter 6,02 km
Strafsc zu bedienen hat. Weiterhin begegnen wir einer Darstellung
der Strafsenfrequenz, Modellen zu Wurfgittern für DeckinateriaL mit
gekrümmten Gittern und eiuem Profilograph des Oberbaurathes
Schmidt. Daneben sind Abhandlungen aufgelegt, die das Streben
erkennen lassen, die Verbrauchsmeuge von verschiedenem Dcck-
material zu finden, mit der hei verschiedenen örtlichen und klima
tischen Einflüssen ein gleich guter Zustand der Strafse erzielt werden
kann. In das Gebiet des Strafsenbaues gehört auch die von Maffei
in München in dev Maschinenhalle ausgestellte Dampfwalze mit zwei
gekuppelten Walzen.
Von den tlieils in Pläneu, theils in Photogrhphieen vorgeführten
Strafsenbrüeken über die Donau, den Main, den Inn u. s. w. aus
den Jahren 1862—1880 zeigen sieben vor dem Jahre 1870 ausgeführte
Brücken ausschliefslich das Pauli’sche System. Die Fahrbahn der
älteren bestellt aus Bohlenbelag, die der neueren aus Schotter auf
Wellblech. Die Spannweiten schwanken von 20—39 m für die ein
zelnen Oeffnungen. Unter den neueren Brücken überwiegt der
Parallelfachwerksträger mit einer aus Schotter auf Wellblech oder
Zoreseisen construirten Falrrbabn. Die Spannweiten gehen bis zu
52 m. Die neueste Brücke über den Main bei Karlstadt, mit 4 Oeft-
iiungen zu 37 m, aus dem Jahre 1880, zeigt das Schwedlersche System.
Die Pfeiler sind meist auf Pfahlrost oder Beton, selten unmittelbar
auf dem tragfähigen Boden gegründet um! sämtlich iu Quadermauer
werk ausgeführt. Von gewölbten Brücken sind nur 2 Beispiele vor
geführt, von denen die in Verbindung mit Hafenanlagen ausgeführte
Mainbrücke bei Lohr 6 Oeffnungen zu 26 m und >/••> Pfeil zeigt. Die
3 mit Durchfabrtsüfihungen versehenen Lehrgerüste wurden mit
Sehraubenstüblen bewegt.
Das Gebiet des Wasserbaues ist durch die theilweise grofsarti-
geü Flufseorrectionen würdig vertreten. Zunächst finden wir die
gebräuchlichen Profile für die Correctionsbauwerke verschiedener
Systeme. Unter den Flufscorrectionen ist bemerkenawerth die Re-
guliruDg des Inn, weiche auf eine Länge von 23 km im Parallel
werkssystem aus Bruchsteinen ausgefühlt, bei einem Kostenaufwands
von 2,04 Millionen JC, abgesehen von den Vortheilen für die Schiffahrt,
20000 Ar Culturland hat erzielen lassen. Die Rhcin-Correction
längs der badisch-bayerischen Grenze ist in den Jahren 1825—81
auf 85 km bei einer Normalbreite von 240 und 300 in durchgefülirt:
dieselbe zeigt den Uebergang vom Bulmenbau, der in der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts ausschliefslich angewendet wurde, zum