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Erster Teil. Vorträge über das Entwicklungsproblem Zweiter Vortrag (14. Febr.). Theistische und atheistische Entwicklungslehre. Entwicklungslehre und Darwinismus

Full text: Der Kampf um das Entwicklungs-Problem in Berlin / Wasmann, Erich (Public Domain)

Zweiter Vortrag. Theistische und atheistische Entwicklungslehre 
sein kann. Auch das Rätsel der ersten Bewegung im Welt- 
all liegt unlösbar vor. Das hat Dubois-Reymond vor Jahrzehnten 
Schon ausgeführt. War die ewige Materie aus sich selber im Ruhe- 
zustande, woher dann der erste Beginn ihrer Bewegung? War sie 
dagegen aus sich selber in ewiger Bewegung, wie kommt es dann, 
daß wir heute noch nicht beim Ausgleich aller Energieformen, bei 
der Todesstarre des Universums angelangt sind?! Wir stehen da 
überall vor unzähligen Schwierigkeiten. Bezüglich des Rätsels der 
Ordnung der Naturgesetze, die doch nicht aus sich selber 
kommen kann, hat man gesagt, sie hätten sich durch Zufall aus 
dem ursprünglichen Chaos entwickelt, eine Erklärung, die, weil 
allzu unvernünftig, selbst von Darwinisten abgelehnt wurde. Gerade 
wie nur der denkende Geist die Ordnung der Welt er- 
fassen kann, so kann auch nur ein denkender Geist die 
Ordnung der Welt zuerst verursacht haben! 
Gehen wir nun etwas weiter ein auf die inneren Entwick- 
lungsgesetze der organischen Welt, Da wird uns von monistischer 
Seite erwidert, wir brauchten keine solchen «unerklärbaren» inneren 
Entwicklungsgesetze. Aber wenn man auch nur die «Reaktions- 
fähigkeit» der lebenden Substanz gegenüber äußeren Reizen an- 
Nimmt, so steht man bereits vor einer durch und durch gehenden 
Zweckmäßigkeit, die man nicht weiter erklären kann und mag, 
weil eben die Zielstrebigkeit schon drin steckt. Ich muß aus- 
drücklich betonen: in der zweckmäßigen Reaktionsfähig- 
keit des Protoplasmas, da stecken die inneren Ent- 
wicklungsgesetze schon drin. Sie sind also einfachhin un- 
entbehrlich, weil ein lebendes Protoplasma undenkbar ist ohne die 
vitale Zielstrebigkeit, die in den Prozessen des Wachstums, der 
Ernährung und Fortpflanzung zum Ausdruck kommt. 
Es wäre übrigens vollkommen verkehrt, wenn man die inneren 
Entwicklungsgesetze , welche die theistische Weltanschauung als 
Haupt- und Grundprinzip der Entwicklung der organischen Welt 
annimmt, auffassen würde als ein bereits fertig aufgezogenes Uhrwerk, 
das nur abzulaufen braucht. Auch eine «prästabilierte Harmonie» ist 
zwischen Organismus und Außenwelt nicht anzunehmen; nein, die 
Wechselwirkung, die Veranlagung zur Wechselwirkung ist es, was 
die inneren und äußeren Entwicklungsfaktoren zusammenwirken läßt, 
Was man die Reizbarkeit des Protoplasmas, die Reaktionsfähigkeit 
1 Vgl. R. Stölzle, Hat die Laplacesche Weltbildungstheorie atheistische Tendenz? 
(Natur und Kultur IV, Hft 9 10 ı1ı 13.)
	        
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