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Erster Teil. Vorträge über das Entwicklungsproblem Zweiter Vortrag (14. Febr.). Theistische und atheistische Entwicklungslehre. Entwicklungslehre und Darwinismus

Full text: Der Kampf um das Entwicklungs-Problem in Berlin / Wasmann, Erich (Public Domain)

Zweiter Vortrag. Theistische und atheistische Entwicklungslehre, 
Sein, die absolute Intelligenz und die absolute Vollkommenheit 
mit allen ihren Eigenschaften ohne einzelne Trennung dieser Eigen- 
schaften unter sich: Der persönliche Gott ist die in sich 
selbst und aus sich selbst bestehende Fülle des Seins. 
Und gerade weil Gott die Fülle dieses Seins ist, deswegen konnte 
er auch durch seinen Willen, der aber nicht von seinem Wesen ver- 
schieden ist, alles endliche Sein ins Dasein rufen, das ge- 
rade wegen seiner Zufälligkeit und Beschränktheit nicht den Grund 
seines Daseins in sich selber haben konnte. Dies ist die wahre 
theistische Gottesidee. 
2. In der theistischen Weltauffassung kommt der Begriff der 
Schöpfung vor. Das ist allerdings ein schwieriger Begriff für 
unser Vorstellungsvermögen. Wie etwas, was vorhin nicht da war, 
ins Dasein treten, aus nichts werden kann, das können wir uns mit 
unserer Phantasie nicht vorstellen. Ja es wäre in sich unmöglich, wenn 
nicht ein unendlich vollkommenes Sein existierte, welches das end- 
liche Sein schon vorher virtuell in sich schloß. Da aber dies 
gerade beim theistischen Gottesbegriff zutrifft, so bietet auch der 
Begriff der Schöpfung keinen inneren philosophischen Widerspruch. 
3. Ferner hat die theistische Weltauffassung mit der Schöpfung 
der Materie auch bereits die Gesetzmäßigkeit der ganzen kosmischen 
Entwicklung und der ganzen Entwicklung der anorganischen Welt 
grundgelegt, indem in den ersten Atom- oder Elektronenkombi- 
nationen bereits die bestimmte materielle Disposition gegeben war, 
aus welcher im Laufe der folgenden Jahrmillionen alle Veränderungen 
der einzelnen Atomkonstellationen durch natürliche Entwicklung sich 
weiter ergeben mußten !. Dadurch ist der hinreichende erste Grund, 
die hinreichende erste Ursache für die weitere natürliche Entwicklung 
der ganzen anorganischen Welt gelegt. Dies scheint mir doch eine 
sehr vernunftgemäße Auffassung zu sein. 
4. Für die Entstehung der ersten Organismen verlangt 
die theistische Weltauffassung einen sogenannten Schöpfungsakt. Ich 
sage: einen sogenannten; denn daß die ersten Organismen aus 
anorganischer Materie hervorgingen, hängt tatsächlich mit dieser 
Auffassung zusammen. Es ist keine Schöpfung aus nichts, wie 
die Schöpfung der Materie; es ist ein Hervorbringen aus anorga- 
Nischer Materie, die bereits existierte. Wenn nun die Naturwissen- 
! Die Möglichkeit einer Anpassung und Auslese in den Organismen wird dadurch 
Nicht ausgeschaltet; denn die anorganischen Atomkonstellationen in den Organismen 
bieten die verschiedensten Dispositionen als Grundlage der Lebensnrozesse.
	        
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