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Nachwort

Full text: Der Kampf um das Entwicklungs-Problem in Berlin / Wasmann, Erich (Public Domain)

Zweiter Teil. Diskussionsabend., 
als naturwissenschaftlicher Forscher zu Resultaten, welche 
sich seinem religiösen Glauben nicht notwendig feindlich gegenüber- 
stellen. Daß er das freudig bekennt, ist sein gutes Recht 
— wohl recht eigentlich seine Pflicht, wenn er seine Mitmenschen 
lieb hat. Und hier mag mein Standpunkt präzisiert sein: die For- 
derung der Trennung von MNaturforschung und philosophischer Be- 
trachtung besteht nur zu Recht bis an den Punkt, wo die exakte Be- 
obachtung des Einzelfalls aufhört und mit irgend einem Resultate ab- 
schließt. Die Verknüpfung und Wertung dieser in ihrer Vereinzelung 
oder auch in koordinierter Summation an sich recht wertlosen Resultate 
ist die berechtigte Sache und eigentliche Aufgabe der Philosophie, 
und ich wüßte nicht, wie wir weiter kommen sollten, wenn ein Natur- 
forscher kein Philosoph sein dürfte. Also die Trennung hat ihre Grenze, 
und daß Wasmann eine Grenzverletzung begangen hätte, 
ist ihm trotz vielen interessierten Redens davon auf geg- 
nerischer Seite meines Erachtens nicht nachgewiesen 
worden. Lieber etwas weniger kirchenpolitische Entrüstung, 
und etwas mehr wissenschaftliche Wahrhaftigkeit — auch wenn 
sie unbequem kommt. Dann käme ein dritter in prote- 
stantischen Landen nicht in die heikle Situation, ehren- 
halber einem Jesuiten beispringen zu müssen.» 
Dr Senff weist dann noch die Behauptung Plates zurück, daß es sich 
in dem von mir angenommenen Eingreifen Gottes bei der Hervorbringung 
der ersten Lebewesen und bei der Erschaffung der geistigen Seele des 
Menschen um eine «Durchbrechung der Naturgesetze» handle: 
«Die höhere Gesetzlichkeit mit ihrer naturgemäß größeren Differenziertheit 
begreift stets die Gesetze der niederen, überwundenen Stufen in sich, 
öhne sie zu durchbrechen, zu verletzen oder auch nur 
außer Kurs zu setzen.» Das sei auch die Ansicht «moderner Philo- 
sophen, eminent nüchterner und klarer Köpfe», die «durchaus keine 
Mystiker und Dunkelmänner» seien. 
Ich beschränke mich auf diese Zitate aus dem Urteil eines pro- 
testantischen Kritikers über den Diskussionsabend, eines vor- 
urteilsfreien Zeugen, dem man nicht wird entgegenhalten 
können, daß ihm als katholischem Priester und Jesuiten «die Frei- 
heit des Gedankens und der Schlußfolgerung fehle», 
weil sein Weg von «kirchlichen Warnungstafeln» umstellt sei! 
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seine (Wasmanns) Grundanschauung und Gesamthaltung in Sachen der Entwicklungslehre 
keineswegs aus kirchlich - dogmatischer Gebundenheit hergeleitet zu werden braucht, 
sondern bei ihm dieselbe empirische Grundlage hat wie bei einer großen Reihe neuester 
Forscher, die nicht Veranlassung geben, daß man ihnen wegen ihrer Ablehnung des 
speziellen Darwinismus im engeren Sinne Konnivenz gegen eine bischöfliche 
Zensur oder gegen das traditionelle Dogma nachsagen könnte».
	        
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