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Zweiter Teil. Diskussionsabend (18. Febr.) Rede des Herrn P. Wasmann S. J. (Schlußwort)

Full text: Der Kampf um das Entwicklungs-Problem in Berlin / Wasmann, Erich (Public Domain)

Rede des Herrn P. Wasmann 5, J. (Schlußwort). 
Ursprung des Lebens. Ich habe schon in meinem zweiten Vor- 
trage bemerkt, daß dies kein kirchliches Problem ist. So- 
bald uns einmal die Naturwissenschaft nachweisen kann, daß die 
Urzeugung auch tatsächlich vorkommt, daß sie den biologischen 
Tatsachen nicht widerspricht, dann geben wir das Postulat gern auf, 
daß für die Entstehung der ersten Organismen eine besondere Ein- 
wirkung des Schöpfers auf die Urmaterie nötig war. Es ist also 
ein äußerst bedingtes Postulat. Man kann daher nicht 
sagen, es sei kirchliche Voreingenommenheit, daß ich mich gegen 
die Urzeugung ausgesprochen habe, sondern da habe ich nur als 
Naturforscher gesprochen, und sehr viele andere Naturforscher, 
die nicht auf christlichem Standpunkte stehen, haben sich auch da- 
gegen ausgesprochen, daß man die Urzeugung als naturwissen- 
schaftlich annehmbar betrachte. Es ist ganz klar, daß sie 
das nicht ist. Da kommt man aber und sagt: sie ist ein philo- 
sophisches Postulat für den Naturforscher! Darin liegt ein 
wahrer Widerspruch. Wie kann etwas, was naturwissenschaftlichen 
Tatsachen widerspricht, auf naturphilosophischem Gebiet ein Postulat 
sein” Das ist ein logischer Widerspruch! 
Was nun das Wesen der Materie angeht und den Begriff 
der Schöpfung, so ist sowohl von Prof. Plate als von andern 
Opponenten vieles darüber gesagt worden, was klar zeigt, daß die 
philosophischen Erörterungen in meinem zweiten Vortrage von ihnen 
nicht verstanden worden sind !, Nochmals darauf einzugehen, ver- 
bietet die vorgeschrittene Stunde. Nur eines muß ich etwas näher 
deleuchten, daß nämlich die Schöpfung keine «Erklärung» bieten solle, 
Eine Erklärung des ersten Auftretens der Materie sowie des 
ersten Auftretens ihrer Gesetze kann ja nicht geschehen in dem 
Sinne einer naturwissenschaftlichen Erklärung; denn diese 
muß stets die Materie und ihre wesentlichen Gesetze als etwas Ge- 
gebenes voraussetzen. Aber die Schöpfung bietet eine Erklä- 
rung im philosophischen Sinne. Die Philosophie beweist uns 
ganz klar, daß die Materie ein endliches Wesen ist; es gehört 
zum Begriff der Materie mit ihren Eigenschaften, daß sie dem 
Wesen nach beschränkt, endlich ist. Es liegt daher auch in ihrem 
Wesen, daß sie nicht aus sich selber von Ewigkeit exi- 
stieren kann. Das kann nur ein Wesen von unendlicher Voll- 
kommenheit. ein exs a se. wie die Philosophie der alten Zeit 
1 Meine Herren Opponenten können den jetzt im Druck vorliegenden Vortrag 
zu diesem Zwecke nochmals vergleichen.
	        
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