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Zweiter Teil. Diskussionsabend (18. Febr.) Rede des neunten Opponenten, Herrn Dr. Plötz

Full text: Der Kampf um das Entwicklungs-Problem in Berlin / Wasmann, Erich (Public Domain)

Zweiter Teil. Diskussionsabend, 
Der Redner glaubt ferner, die Notwendigkeit, einen Schöpfungs- 
akt anzunehmen, habe den P. Wasmann auch ungerecht gemacht 
gegenüber den Tatsachen, welche auf die tierische Abstammung 
des Menschen hinweisen. Er habe das fehlende Zwischenglied 
zwischen Mensch und Tier direkt geleugnet, und zwar sei es dieser 
Affenmensch gewesen, den er mit einer etwas vornehmen wissen- 
schaftlichen Handbewegung und sogar mit einer Verulkung glaubte 
beseitigen zu können. 
Herr Dr Plötz meint hier das von der Menukarte des Leidener 
internationalen Zoologenkongresses stammende Bild: « Prthecanthropus 
erectus als Gigerl», das ich im dritten Vortrage meinen Zuhörern 
zur Erholung gezeigt hatte. Hätte ich dabei gesagt, die Wissen: 
schaft stelle sich jenes Zwischenglied so vor, so wäre seine Ent- 
rüstung wohl berechtigt gewesen. Aber ich hatte mich ja damals 
ausdrücklich gegen eine solche Deutung verwahrt. 
Aber nach der Meinung des Redners geht das doch nicht so 
einfach. Er beruft sich hierfür auf die fünf Schädellinien auf einem 
Lichtbilde des dritten Vortrags (Plötz meint hier die fünf Schädel- 
linien nach Macnamara). P. Wasmann habe eindringlich darauf hin- 
gewiesen, wie die Schädellinie des Neandertalmenschen und des 
Australnegers nahezu zusammenfielen oder einander wenigstens sehr 
nahe kämen. Dagegen habe man im stillen bemerken können, daß 
die Schädellinie des Pithecanthropus erectus, des Affen- 
menschen aus Java, ungefähr in der Mitte lag zwischen der Neander- 
tallinie und der darunter gezeichneten Linie eines Gibbonschädels 
(soll heißen Schimpansenschädels). Diesen von P. Wasmann unter- 
lassenen Hinweis möchte der Redner hier nachholen. 
Aus der Größe jenes Javaschädels folgt jedoch nichts weiter, 
als was ich in meinem Vortrage schon gesagt hatte, daß nämlich 
der Besitzer jenes Javaschädels ein sehr großer Affe gewesen 
sein müsse. 
Ferner glaubt Herr Dr Plötz, es sei sehr wesentlich, daß man, 
um die Stellung des Neandertalmenschen und des Pithecanthropus 
richtig abschätzen zu können, die ausgerechneten oder abgeschätzten 
Schädelinhalte derselben einesteils mit dem Affen, andernteils 
mit dem Menschen vergleiche. Und da zeige es sich denn, daß 
man sehr wohl von einem missing link sprechen könne. Denn die 
höchsten Affen, die wir beobachten, Schimpansen und Gorilla, haben 
einen Schädelinhalt von 500 bis allerhöchstens 600 ccm, der Pithec- 
anthropus erectus habe einen Schädelinhalt von 900 bis 950 CCH, 
der Neandertalschädel etwa 1200 ccm und der heutige Mensch etwa 
1500 und darüber. Man könnte sich also höchstens freuen, daß 
man nun statt eines missing link deren zwei hätte; denn der 
Pithecanthropus und der Neandertaler machen etwa gleiche Ab-
	        
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