Path:
Zweiter Teil. Diskussionsabend (18. Febr.) Rede des achten Opponenten, Herrn Dr. Juliusburger

Full text: Der Kampf um das Entwicklungs-Problem in Berlin / Wasmann, Erich (Public Domain)

Rede des achten Opponenten, Herrn Dr Juliusburger. 
beseelt den Menschenleib und ist dessen «Wesensform». Leib und 
Seele bilden bei der Empfindung, bei der Vorstellung, beim Gefühl 
ein Prinzip der Tätigkeit. Ist daher das Gehirn erkrankt, so 
müssen auch die Seelentätigkeiten darunter leiden, die niederen 
direkt, die höheren indirekt; denn letztere haben die ersteren zur 
notwendigen Vorbedingung. 
Hiermit dürften Juliusburgers Einwände gegen die Annahme 
einer einfachen Seele im Menschen erledigt sein. Die folgenden 
zwei Punkte sind für seine Beweisführung von keiner Bedeutung 
mehr. 
7. «Die Beziehungen zwischen körperlichem und geistigem Leben 
sind nur verständlich entweder von der Identitätstheorie Forels 
aus — was von außen(!) gesehen als ein Gehirn sich zeigt, das ist 
nnen(!) erlebt, das seelische Geschehen, und umgekehrt, was mein 
seelisches Geschehen ist, das wird von außen als mein Gehirn an- 
gesehen — oder aber wir stellen uns auf den Standpunkt des mo- 
nistischen Transformismus, indem wir unser seelisches Ge- 
schehen auffassen als eine Summe psychologischer Energie, die nicht 
abgetrennt werden kann von allen andern Energieformen. Auch 
unsere Seelenenergie ist nur die Umwandlung der allgemeinen Energie, 
die das ganze All erfüllt.» 
(Antwort auf Nr 7.) Die hier ausgesprochene Behauptung Julius- 
burgers, daß die Beziehung zwischen Seele und Leib nur durch 
die monistische Identitätslehre oder durch die monistische 
Transformationslehre verständlich sei, ist eine unrichtige 
Behauptung. 
Denn a) außer jenen beiden Theorien gibt es mindestens noch 
eine dritte, nämlich die Lehre von der Wesensverschieden- 
heit von Seele und Leib im Menschen, von ihrer Ver- 
bindung zu einer Gesamtsubstanz und von ihrer Wechsel- 
wirkung untereinander. Das ist eben jene «dualistische 
Lehre», welche Juliusburger in den vorigen sechs Punkten seiner 
Rede nicht zu widerlegen vermocht hat und welche wir deshalb 
aufrecht halten. 
b) Die von ihm hier erwähnte Identitätstheorie hat nicht 
Forels, sondern Fechners Namen zu tragen, der sie zuerst 
erfand. Sie ist eben jene «geistlose Zweiseitentheorie», 
welche die «innere Seite» des Gehirns «Geist», die «äußere Seite» 
des Geistes aber «Gehirn» nennt und dadurch wissenschaftlich gar 
Nichts erklärt. Vgl. hierüber C. Stumpf, Leib und Seele 
‚Eröffnungsrede des internationalen Psychologenkongresses 1896)?, 
Leipzig 1903; ferner Wasmann, Die monistische Identitätstheorie 
To
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.