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I. Bei Lübben

Full text: Julius Pintsch (Berlin 1815-1884), seine berlin-lausitzischen Vorfahren und seine Abkömmlinge / Boetticher, Arno (Public Domain)

Fü 
wurde, sondern, als sie alt wurde, das Gnadenbrot erhielt und, 
als sie schliesslich endete, im Stalle begraben wurde, damit sie 
ja im Hofe bliebe. 
I. In Lübbenau. 
V. Mit dem zuletzt IV 5 genannten, in Sakrow 1704 geborenen 
Martin Pintsch ziehen wir in das Spreewaldstädtchen 
Lübbenau ein. Die erste Nachricht, die wir dort von ihm 
haben, ist eine kirchenbuchliche?®) und betrifft seine Trauung: 
1734 . . , Juli sind copulirt Jggs. Meister Martin 
Pintsch, Garnweber, weiland Martin Pintsches, gewes. 
Einwohners in Sacro nachgelassener ehelicher Sohn mit 
Jgfr. Anne Maria Richterin, Meister George Richters 
sonst Kuhlas,?’) Bürgers und Garnwebers hier ehelichen 
Tochter. 
Über diese Trauungsbeurkundung lässt sich sehr viel 
sagen. Martin Pintsch hat als erster seinen Familienberuf auf- 
gegeben, ein Gewerbe lernen wollen und ist (auffallender Weise 
nicht in das nächstgelegene Lübben sondern) in das Städtchen 
Lübbenau und dort in die wegen des damals reichlich betriebenen 
Flachsbaues blühende Garnweberzunft geraten. Nur sein Gross- 
oheim Andres (S. 28, IIb ı) ist es gewesen, der den Titel 
„Meister“ geführt hatte; sonst hatten wir in der Familie noch 
nichts von Handwerk und Gewerbe gehört.?®) Martin hat sich 
2) Die Lübbenauer Kirchenbücher beginnen 1674 und umfassen fünf 
dickleibige Bände, sind zum Teil sehr schwer, nur mit der Lupe zu. lesen und müssen, 
da auf vielen Seiten die Tinte vollständig verschwommen ist, einmal im Wasser gelegen 
haben. Ältere Kirchenbücher waren vorhanden, sind aber verbrannt, 
2) Wegen dieses Zusatzes ‚,sonst Kuhlas‘“ vergl. S. 31. 
®) Ganz fremd ist allerdings jener ländlichen Gegend insbesondere die Weberei 
nicht gewesen; denn dass dort Flachs gebaut und Flachszins gegeben wurde und das 
Gustav Pintschsche Grundstück in Altzauche (Note 24) von altersher als Webernahrung 
bezeichnet wurde, wissen wir schon. Um Lübbenau muss der Flachsbau ein ganz 
bedeutender gewesen sein; gegen Ende des ı8. Jahrhunderts war fast jeder Bürger in 
Lübbenau ein Lein- oder Garnweber. Das Weberhandwerk hatte sich hier im 16. Jahr- 
hundert gebildet, anscheinend von Luckau aus, da es unter dem Luckauer Gewerk stand 
ınd von diesem 1595 seine Zunftartikel erhielt. Die Zunft war reich und gab auch der 
Stadt Darlehne. Es gab vier grosse Bleichanstalten. Weltbekannte Leinwandhandels- 
häuser waren Callank-Lehmann, Besack- Lehmann (auch Gebrüeder Lehmnnn) und 
Christian Blaschk, der auch den Durchgangshandel der ganzen lausitzer Leinwand in 
Händen hatte. Diese Industrie ging mit dem Rückgange des Flachsbaues immer mehr 
zurück und in Folge der Gwerbeordnung (1845) fast ganz ein.
	        
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