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Full text: Der Leiermann von Berlin / Kirchbach, Wolfgang (Public Domain)

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gestellt, die natürlich alles auf einen unglücklichen 
Zufall schob. Darauf aber hatte die Frau Ritt— 
meister viel von ihren höheren Beziehungen ge— 
sprochen, zum Teil mit etwas scharfer Betonung, 
sodaß die Frau Hähnel eine jähe Angst erfaßte, die 
Dame könnte den Dirigentenbestrebungen ihres 
Mannes schädlich werden. Und es war doch ihr 
heißer Wunsch, den Mann zum Dirigenten zu 
machen, schon, damit er nicht etwa doch nach Afrika 
ginge. Mit der ihr eigenen Geistesgegenwart suchte 
sie die Gefahr abzuwenden, indem sie erklärte, sie 
hätte nur deshalb nicht sich neben die Frau Ritt— 
meister gesetzt, weil das ihre Bescheidenheit nicht 
erlaube. Denn die Frau Rittmeister sei doch ge— 
wissermaßen von Adel, und wie hätte sie da wagen 
können! Außerdem aber sei es doch die Pflicht 
der Frau Professor gewesen, als Gattin des Diri— 
genten, sich neben sie zu setzen. Man sähe wieder 
einmal, wie diese Dame ihrem Manne schade und 
augenscheinlich gar nicht recht wisse, eine wie große 
Ehre für den Chor es sei, daß Frau von Schimmel 
ihre schöne Stimme in den Dienst desselben stelle. 
Und daß Frühauf die Unaufmerksamkeit gehabt 
habe, sie so allein sitzen zu lassen, das lasse auch 
tief genug blicken. 
Folge und Ergebnis dieses Gesprächs aber 
wurde, daß jetzt zum Gottesdienst eine ganz neue 
Situation geschaffen war. Die Frau Rittmeister 
hatte feierliche Toilette gemacht und ein reiches, 
schwarzseidenes Kleid angezogen. Mit stolzer
	        
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