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Im Müll Drittes Kapitel

Full text: Der Leiermann von Berlin / Kirchbach, Wolfgang (Public Domain)

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zuschütten, was hier für Sastände sind! Wenn so 
mit unsereins verfahren;“ 
Der Alte ahnte wohl, daß der Pole ihm etwas 
anvertrauen wollte, aber, um ihn noch mehr zu 
reizen, ließ er sich nichts merken. Statt dessen fuhr 
er mit der Harke im Müll herum und zog ein Blatt 
Papier heraus, den Rest eines Briefes. Er war 
augenscheinlich vom Empfänger zerrissen worden, 
aber nicht genügend. Zum Teil war die Tinte 
verwischt; an anderen Stellen aber konnte der Müll— 
Heinrich folgende Worte ganz gut entziffern, die 
er laut vorlas: 
„Geliebter. Morgen Abend . .. Tiergarten . . . 
Nähe Hippodroms ... gefährlich . . . ungestillte 
CLeidenschaft . . . leider nicht anders möglich. — 
Heiß umarmte .. .. roline.“ 
„Na, wie viele von die Sorte habe ick schon 
jefunden. Von die vornehme Damenswelt weni— 
ger, die sind vorsichtiger, aber manchmal kommen 
sie doch auch aus Versehen in't Müll. Die hier 
is nicht von die obere Fehntausend! Und: Roline 
heißt sie, weil sie in der Mitte von ihren Liebhaber 
entzwei jerissen isst Ne Irausamkeit! Wat meinst 
de, Pole ?“ 
Er grub weiter und brachte einen langen 
Strumpf zum Vorschein. Nachdenklich fuhr er mit 
der Hand oben in die Wade hinein, bis seine 
Finger unten durch ein mächtiges Fersenloch wieder 
herausfuhren.
	        
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