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VII.

Full text: Der Leiermann von Berlin / Kirchbach, Wolfgang (Public Domain)

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anderen, sogar das weibliche Geschlecht hat in 
dieser Hinsicht merkwürdig gute Instinkte und läßt 
auch für andere etwas draufgehen. Sie werden 
das einst auch noch kennen lernen — jedenfalls 
ist die echte Berlinerin nicht kleinlich. Ich bedaure 
ordentlich, daß ich mit dem neuen Semester Berlin 
verlassen muß.“ 
„Sie wollen an eine andere Universität gehen?“ 
frug von Karstens mit Interesse. 
„Sie wollen fort?“ frug Wilhelmine ganz be— 
stürzt und sehr gedehnt. 
„Jawohl,“ fuhr Mochow in angenehmer geisti— 
ger Erregung fort, „ich will nach Leipzig, um dort 
noch mehr über moderne Psychologie zu hören, 
denn die verschiedenen Empfindungsweisen der 
Menschen, besonders der Klassen, als verschiedener 
Seelenkomplexe des allgemeinen sozialen Bewußt— 
seins, sind doch das Interessanteste. Ich denke 
noch ein Semester dort zu hören und dann gleich 
nach dem Examen in meine VKarriere einzutreten. 
Es sind mir sehr glänzende Aussichten gemacht 
worden; ich soll nach Griechenland gehen als 
archäologischer Hilfsarbeiter; da ich auch Türkisch 
kann, werde ich als Dolmetscher auch bei klein⸗ 
asiatischen Ausgrabungen nebenbei viel Geld ver— 
dienen und — nebenbei bemerkt, Herr von Karstens, 
ich habe da auch gewisse Anknüpfungspunkte zu 
einem wohlhabenden Fräulein, sehr hübsch, reich, 
die schwärmt mit ihrer Mutter für Ninive und
	        
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