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Der 18. und 19. März

Full text: Aus den Berliner Märztagen / Waldersee, Eduard von (Public Domain)

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Der 18. und 19. März. 
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Schloß wieder von dichten haufen umgeben, und das An⸗ 
dringen um gänzlichen Rückzug des Militärs wurde erneuert 
und immer lauter. Der König wollte daher zunächst das 
Militär wieder zusammenrücken lassen, die Ausführung dieser 
Idee mußte aber bei deren Unausführbarkeit wieder auf—⸗ 
gegeben werden, denn die auswärtigen Truppen waren 
bereits aus der Stadt abgerückt. 
[Die Massen wogten noch immer auf dem Platze. So⸗ 
bald auf den Bahren ein Toter oder Verwundeter getragen 
wurde, teilten sich die Reihen, man entblößte das Haupt und 
ließ die Träger hindurch) Auch nach dem Schloßhof brachte 
man Leichen angefahren, welche auf einen Möbelwagen ge— 
legt waren und verlangte, daß der König erscheine und 
auch sein haupt entblöße, was auch geschah. Auch wurde 
vor einem andern Ort vor der Kommandantur ein Gendarm 
malträtiert, welcher sich der daselbst aufgestellten Schild⸗ 
wache annahm, welche nicht, was der Pöbel verlangte, das 
Gewehr präsentierte vor einer vorbeigetragenen Leiche. 
Nachmittags fand die Bewaffnung der Bürgerwehr statt, 
und wurden 30 000 Gewehre aus dem Zeughause ausgegeben. 
Gegen den Prinzen von Preußen hatte sich eine große 
Erbitterung gezeigt; man sprach es geradezu aus, daß man 
seinen Einfluß beseitigt wünsche durch Entfernung vom 
Könige. Der Prinz erklärte sich zu diesem Opfer bereit, sofern 
es zum Nutzen des Königs geschehe, und erhielt deshalb eine 
Sendung nach England. Da der Prinz aber seine Person in 
Gefahr hielt, so verließ er heimlich spät abends die Stadt, 
so daß man in den nächsten Tagen sein Verbleiben ignorierte.) 
) Bgl. W. Oncken, „Die Flucht des Prinzen von Preußen“. 
Velhagen u. Klasings Monatshefte. 17. Jahrg. Heft 1u. 2 (1902/3).
	        
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