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1862-1871

Full text: Aus Friedrich Althoffs Jugendzeit / Althoff, Marie (Public Domain)

die Stadt hatte ihm auch diesmal nicht behagt und so hatte er die 
Zwischenzeit wieder in seinem lieben Bonn verbracht, wo er beson⸗ 
ders mit den Privatdozenten Richard Schroͤder, Peter Bremer, 
Kortum, Karlowa verkehrte. 
Bonn, den 16. Febr. 64 
Lebhaft vergegenwaͤrtige ich mir Deine Verwunderung, wenn Du 
siehst, daß ich in Bonn bin ..... Berlin gefiel mir mit jedem Tage 
schlechter. Die neblige, uͤbelriechende Luft, das ewige Wagengerassel 
und Menschengewuͤhl, keine Moͤglichkeit, einen weiteren Spaziergang 
in Gottes freie Natur zu machen, keinerlei wissenschaftliche Anregung 
labgesehen von den seltenen Besuchen bei Gneist), dabei die Demo⸗ 
ralisation, die einen uͤberall umgiebt — Alles das verleidete mir 
meinen Aufenthalt, nahm mir meine Ruhe und machte mich zur Ar⸗ 
beit unfaͤhig. So unwohl wie in Berlin habe ich mich noch nie ge⸗ 
fuͤhlt. Nichts ist dort, als Ungemuͤtlichkeit ...... Hier werde ich 
einige Monate den angestrengtesten Studien obliegen .... Eben 
heißt es hier, Prinz Friedrich Karl habe die daͤnische Armee abge⸗ 
schnitten. 
Auf den wiederholten Reisen hatte Althoff verschiedene heitere Er⸗ 
lebnisse. 
„Gleich in Neuwied bekam ich mit einem Commis Voyageur Streit 
uͤber einen Eckplatz. Da ich mich in die gluͤckliche Lage des Besitzers 
gesetzt hatte, so konnte ich das lange Plaͤdoyer meines tapferen Geg⸗ 
ners ruhig anhoͤren und ihm einfach antworten, daß ich meinen Platz 
recht huͤbsch und seine Nachbarschaft ertraͤglich faͤnde.“ 
Berlin, 28 te August 64 
Mit mir im Hotel logirt ein schwedischer Zeitungskorrespondent. 
Ein sehr netter Mann. Augenblicklich ist er beschaͤftigt allerhand 
Schwindel, den ich ihm aufgebunden habe, seiner Zeitung zu melden. 
Der Mann klagte uͤber Mangel an Stoff und da mußte ihm geholfen 
werden. 
Bonn, 22te Februar 64 
Ist doch ein komischer Kauz solch' ein Professor der Rechte! So⸗ 
bald sich Leute naͤherten sprach er viel lauter, damit der ganze Hof⸗ 
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