Se ließ bis an ihren Tod nicht ab in der Sorge um ihn, die aus
all ihren Briefen spricht:
„Denn was man vor Gott als recht erkennt, kann man auch vor den
Menschen bekennen. Den armen M. habe ich bitter beklagt, doch
wer kann dem helfen, der sich selbst verlaͤßt, sei aber immer gut
gegen ihn. — Daß Deine Reise so angenehm war, freut mich sehr
und besonders vorzuͤglich, daß Du gegen aͤltere Leute freundlich und
hoͤflich bist.
„Es ist nicht recht gegen Deine Marie, die Du so sehr liebst, und
mich, wenn Du nicht vorsorglich und sparsam bist.
„Bleibe Deiner jetzigen Gewohnheit treu und schreibe oft, denn da⸗
durch erfreust Du Deine arme, alte Mutter von ganzer Seele.
Gott schuͤtze Euch.“
Am naͤchsten Neujahr war er wieder bei ihr in Wesel und schreibt
seiner Braut — die Mutter war inzwischen schon einmal nach Neu⸗
wied gekommen —:
Wesel, 2. Jan. 64
Ich kann Dich uͤberhaupt versichern, daß Mutter Dich ungemein
lieb hat. Sie haͤlt mir schon taͤglich Reden, wie ich Dich recht gluͤck⸗
lich machen soll. Ob Du ihr schon jetzt mit gleicher Liebe lohnst,
das ist eine Frage, die Du Dir fuͤr das Jahr 1864 recht oft zur Be⸗
antwortung vorlegen moͤgest. .... Kurzum. Du hast aus einem
ziemlichen Taugenichts einen ziemlich nuͤtzlichen Menschen gemacht
(mit großem Dank muß ich hier auch der vortrefflichen 10 Uhr Theorie
Deines Vaters gedenken). Du siehst also, welch große Erfolge Du
erzielt hast, welche Verdienste Du Dir sowohl um mich wie um Alle,
denen ich vielleicht nuͤtzlich sein werde, erworben hast ....
Endlich im Fruͤhjahr konnte er sie mit seiner Braut besuchen und
frohe Tage wurden zusammen verlebt. Bald darauf, am 4. Juni 64,
starb sie. Vom uͤbernaͤchsten Tag ist ein Brief von ihm da (an die
Braut):
Wesel, 6. Juni 1864
Also schon 34 Stunden seit dem Tode Mutters sind voruͤber. Vor⸗
gestern Morgen war Mutter noch ganz gesund. Sie uͤberlegte z. B.
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