Path:
Kindheit. Dinslaken. Wesel. 1839-1856

Full text: Aus Friedrich Althoffs Jugendzeit / Althoff, Marie (Public Domain)

unsere Ranzen ab, setzten uns auf die ungesattelten Tiere, ritten mit 
und blieben sogar eine Nacht fort. Welche Strafe wir fuͤr diese 
Untat bekamen, weiß ich nicht mehr.“ 
„In den hoͤheren Klassen blieb ich oͤfters einen Tag zu Hause, wo 
ich aber fleißig arbeitete. Deshalb moͤgen die Lehrer mir es auch 
wohl nachgesehen haben. Ich weiß mich nicht zu erinnern, daß ich 
jemals Furcht vor den Lehrern gehabt, oder daß mich die Schul⸗ 
aufgaben bedruͤckt haͤtten. 
„Wie Professor Fiedler so ist mir auch der Direktor des Gymnasiums 
Domherr Blume ein vaͤterlicher, treuer Freund geblieben.“ 
Ein Sohn des Direktors erzaͤhlt: „Als er auf dem Gymnasium in 
Wesel war, habe ich seine Begabung ruͤhmen hoͤren. Mein seliger 
Vater, der Direktor des Gymnasiums war, interessierte sich wohl 
schon aus diesen Grunde besonders fuͤr ihn, mochte ihn aber auch 
gern wegen seiner uͤbrigen Eigenschaften, die er durch Fritz Freund⸗ 
schaft mit meinem Bruder Hans naͤher kennen lernte. Dabei ver⸗ 
kannte er gewiß nicht die Gefahren, denen sein Schuͤtzling mehr als 
andere Schuͤler ausgesetzt war, und mag daruͤber manches vertrau⸗ 
liche Wort mit ihm gesprochen haben, das eine gute Staͤtte gefunden 
hat. Die Gefahren entsprangen daraus, daß sich Fritz, obgleich im 
Hausstande seiner Mutter lebend, einer Unabhaͤngigkeit des Daseins, 
auch in pekuniaͤrer Hinsicht, erfreute, wie sie Gymnasiasten selten 
gewaͤhrt wird. Er hat sie genossen, aber nicht mißbraucht.“ 
Schon zu dieser Zeit waren ihm von den Klassikern Lessing und 
Schiller am liebsten; Nathan den Weisen und Wilhelm Tell konnte 
er nicht oft genug lesen und spaͤter in Berlin darstellen sehen. 
Bei der Abiturientenpruͤfung hielt er die lateinische Abschiedsrede; 
es kommt darin neben dem Dank an die Lehrer ein starker Patriotis⸗ 
mus zum Ausdruck. 
Aber bei aller Dankbarkeit gegen seine Lehrer erklaͤrte er immer wieder: 
„Von Allen, die mich erzogen und belehrten, uͤbte meine Mutter doch 
immer den groͤßten Einfluß auf mich aus. Ihr verdanke ich, was 
Gutes an mir ist. —“ 
13
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.