Path:
Die Leute

Full text: Wien-Berlin / Fried, Alfred Hermann (Public Domain)

73 
werden müßte. Der Berliner bei der Arbeit ist einzig. 
kr ist ganz Zweck, ganz Hingebung für sein Pensum, 
ganz die Materie beseelender Denkapparat, ganz 
Nerov, ganz Muskel, ganz Hirn. Er schafft und schafft 
und erweitert sich und seinen Besitz und den Besitz 
der FHation. Das Schaffen ist seine fFreude, die Quint— 
essenz seines Lebens, sein Daseinswert. Der Boden, 
der den Wiener zum Genußmenschen machte, machte 
ihn zum Arbeiter. Von Generatiouen überkommene 
Kraft ralselt in inm und läßt ihn nie erlahmen. Der 
Arbeitssinn hat in ihm zwei Eigenschaften ausgebildet, 
die man gekroslt als die stationaleigenschaft des Veu- 
berliners bezeichnen kann: Pflichtgefühl und Ord— 
nungssinn. Diese äcigenschaften sind die praktischen 
Förderungsmittel seiner Arbeit. Das Pflichtgefühl und 
der Ordnungssinn machen die Arbeit leichter, ertrag- 
reicher und anziehender. So stammen auch diele 
cigenschaften aus dem Boden. Man hat zu Unrecht 
gelagt, der Rorddeutsche habe diele guten Eöigen— 
schaften aus der Schule der Armee, die er durch- 
gemacht hat. Umgekehrt ist es der Fall; er hat sie 
aus seiner Arbeit und in die Armee wurden sie erst 
durch den Arbeiter hineingetragen. Die Disziplin und 
das Pflichtbewußtsein des Berliners tritt mit dem 
Rekruten in die Kalerne hinein und nicht erst mit 
dem Reservemann ins seben hinaus. Die Notwendig- 
keiten des Cebens haben Disziplin und Pflicht-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.