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Volltext: Memoiren der Königlich Preußischen Prinzeß Friederike Sophie Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, Schwester Friedrichs des Großen / Wilhelmine Friederike Sophie, Brandenburg-Bayreuth, Markgräfin (Public Domain)

sie mir aber zu, es geschähen Wunder, sie habe nie so etwas Außer⸗ 
ordentliches gesehen, als was sich ihren Augen darstellte. Nun 
glaubte ich wirklich, sie sei närrisch, wie ich aber den Candgrafen 
mit einem geheimnisvollen Wesen lächeln sah, beruhigte ich mich 
endlich. Das große Wunder und die außerordentliche Begebenheit 
war nichts, als daß man in einem Moment die damastenen Tapeten 
der Zimmer aufgerollt hatte, wodurch andere, die sich darunter 
befanden, die in Oel auf Leinwand gemalt waren, zum Vorschein 
kamen. Dieses veranlaßte den Landgrafen, mir zu sagen: „Ihre 
Königliche Hoheit sieht wohl, daß es hier Zaubereien gibt.“ Weiter 
habe ich ihn kein Wort sprechen hören. Ich bewunderte diese Albern— 
heit gar sehr, denn das Sprichwort sagt, daß man mit den Wölfen 
heulen muß. 
Nach Beendigung unserer langweiligen Tafel mußte ich, mochte 
ich wollen oder nicht, tanzen. Ich war so müde wie ein Hund, und 
da wir nur drei Damen waren und viele Allemanden getanzt wurden, 
konnte ich mich fast nicht mehr rühren; dabei bat ich den Mark⸗ 
grafen so lange, bis er uns endlich abends um sieben Uhr abreisen ließ. 
Es ist billig, daß ich des Landgrafen und seines Sohnes Porträt 
mache. 
Als ich den Candgrafen sah, war er über achtzig Jahre alt; 
allein seine grauen Haare ausgenommen, hätte man ihm nicht mehr 
wie fünfzig gegeben; er hatte den Krebs am Mund, wodurch er 
sehr ekelhaft und auch entstellt wurde; man sagte, er habe in seiner 
Jugend viel Verstand gehabt, der war aber mit den Jahren ver— 
schwunden; er soll auch sehr artig gegen die Weiber gewesen sein, 
aber diese Artigkeit war in abscheuliche Ausschweifungen ausgeartet. 
Seine unselige Sucht, den Stein der Weisen zu suchen, hatte sein 
Cand, das in einer unerhörten Unordnung war, ganz zugrunde ge— 
richtet. Er lebte mit dem Prinzen, seinem Sohne, sehr schlecht, denn er 
hielt ihn, obschon er neunundvierzig Jahre alt war, noch in einer 
Abhängigkeit, als sei er ein Kind. Der Prinz hatte viel Verstand, 
Hhöflichkeit und sogar Uenntnisse, aber die Gesellschaft, in der er 
lebte, hatte ihn zu einem so rohen Menschen gemacht, daß man ihn 
nicht mehr erkannte. 
Ich kam sehr spät in Frankfurt an, wo wir sehr feierlich mit drei⸗ 
maligem Ablösen der Kanonen empfangen und von dem Magistrat 
und den Stadtbürgermeistern begrüßt wurden. Da ich mich nicht 
sehr wohl befand, hielt ich mich einen Tag daselbst auf und besah 
alles, was gesehen zu werden verdient. Den Römer, welches der 
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