zanz anders; er hatte mit Prinz Heinrich, dem Bruder des Mark⸗
grafen von Schwedt und zweiten Prinz vom Geblüt, Freundschaft
geschlossen; dieser Prinz hatte kein anderes Verdienst als seine
Schönheit, er war lasterhaft, hatte immer einen bösen Charakter
und so niedrige Gesinnungen gezeigt, daß er Verachtung einflößte;
dennoch wußte er sich bei meinem Bruder so gut einzuschmeicheln,
daß er ihn verdarb und zu den abscheulichsten Ausschweifungen
hinriß. Das war aber nicht alles; er flößte ihm gegen alle ehr—
lichen Ceute Verdacht ein, nur die seines Gelichters waren will—
kommen, kurz, mein Bruder ward ganz anders als wie er gewesen
war, alle Welt war unzufrieden mit ihm, und dem Erbprinzen ging
es nicht besser wie den anderen.
Eines Tages, wie er mit dem Herzog Alexander von Württem—
berg, meinem Bruder und mehreren anderen Generalen zur
Rekognoszierung des Feindes ausgegangen war, fanden sie die
Franzosen diesseits des Rheines postiert. Der Erbprinz fing an,
ihren Posten zu zeichnen, und nahm nicht wahr, daß mein Bruder
sich entfernte; einem jungen Husaren, den er bei sich hatte, fiel es
sehr zur Unzeit ein, sich mit einer gezogenen Flinte die Zeit zu ver—
treiben, und er schoß auf den Feind. Die Herren Franzosen beant—
worteten es sogleich, und bald flogen die Kugeln dem Erbprinzen
um den Kopf. Er wollte sich nicht zurückziehen, sondern beendigte
ruhig seine Zeichnung, wobei er dennoch nicht unterließ, dem Husaren
für seine Unvorsichtigkeit tüchtig den Kopf zu waschen. Sobald seine
Zeichnung beendet war, stieg er zu Pferde und eilte meinem Bruder
nach. Dieser sprach mit Prinz Heinrich über den so eben erzählten
Vorgang ziemlich anzüglich, der Erbprinz hörte es, erzählte die
Sache so, wie sie war, und wie er merkte, daß mein Bruder noch
immer fortfuhr, mit Prinz Heinrich leise zu sprechen, indem er ihn
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von mir sagt, ist dies und das, und ich will ihn lehren, Wahrheit
sagen und sich des Verleumdens zu enthalten.“ Mein Bruder
schwieg wie auch Prinz Heinrich, für den diese Worte gemeint waren.
Am folgenden Tage hatte der Erbprinz den Prinzen Heinrich
in Gegenwart aller Generale auf das grausamste zum besten. Dieser
verhielt sich sehr leidend und beredete meinen Bruder, über den
der Erbprinz sehr unzufrieden war, ihm einige Höflichkeiten zu
erzeigen.
Ein Eilbote, der wenige Tage darauf bei der Armee ankam,
brachte ihnen Nachricht von dem traurigen Zustande, in dem sich der
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