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Full text: Memoiren der Königlich Preußischen Prinzeß Friederike Sophie Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, Schwester Friedrichs des Großen / Wilhelmine Friederike Sophie, Brandenburg-Bayreuth, Markgräfin (Public Domain)

Leute ohne allen Rückhalt, und morgen wird die ganze Rotte unfer 
Gespräch erfahren. Ich kenne die Aufpasser, von denen ich um— 
geben bin und die sich mit meinen Feinden verbunden, recht gut, aber 
ich will schon Mittel finden, sie zu ihrer Pflicht zurückzubringen. 
„Guten Abend, Ihro CLiebden,“ setzte sie, gegen mich sich wendend, 
hinzu, „seien Sie morgen um drei Uhür ferlig, denn ich bin nicht 
geneigt, auf Sie zu warten.“ Ich begab mich stillschweigend hinweg, 
alles, was ich gehört hatte, brachte mich aufs Aeußerste, denn ich 
verstand sehr gut, daß unter den Verdächtigen und Aufpassern 
niemand gemeint sei als meine kleine Person. 
Ich begab mich in mein Zimmer, wo ich meine gute Hof⸗ 
meisterin, die sich zu bessern anfing, und ihre Nichte, die Marwitz, 
antraf; ihnen teilte ich mit, welchen angenehmen Abend ich zu— 
gebracht hatte. Ich weinte helle Tränen, ich wollte mich krank 
stellen und in meinem Zimmer bleiben, aber sie fanden Mittel, mich 
zu beruhigen und mich daran zu verhindern. Es wurde so spät, 
daß mir nur eben Zeit zum Ankleiden blieb und ich kam vor 
drei Uhr ganz geputzt in die Zimmer der Königin. Man kann sich 
leicht denken, daß ich Eintritt hatte, doch dieses Mal ward er mir 
versagt, die Ramen hielt mich mit ihrem zuversichtlichen Wesen 
an der Tür auf — „ei mein Gott, Ihre Königl. Hoheit! sind Sie 
es! wie ist das möglich! schon fertig! die Königin wacht eben erst 
auf und hat mir befohlen, niemand hereinzulassen; ich will Sie 
benachrichtigen, wenn es Zeit ist.“ Ich ging indessen mit meinen 
Damen in der Galerie auf und ab. Kurz darauf kamen die beiden 
herzoginnen, die von Bevern sah mich zärtlich an und sagte: „Sie 
haben Kummer, Sie haben sicherlich geweint.“ „Das ist wahr,“ ant⸗ 
wortete ich, „und ich hoffe man soll bald zufrieden sein, der Tod 
wird mich bald von meinen Leiden erlösen, denn ich kann mich 
fast nicht fortschleppen und fühle, daß meine Kräfte täglich ab— 
nehmen. Sie haben Einfluß bei Seckendorf und haben ihn beim 
Nönig, um Gottes willen schaffen Sie mich fort von hier, bewirken Sie, 
daß man mich in Bayreuth in Frieden sterben läßt!“ „Ich will mein 
moͤglichstes tun, Sie zu befriedigen“, sagte die gute Herzogin; „ob⸗ 
schon Sie sich nicht gegen mich ausfprechen, weiß ich dennoch alles, 
was gestern abend vorgegangen ist und ich will Ihnen meinen 
Ueberbringer nennen, es ist die Prinzessin Charlotte.“ Das, was sie 
mir sagte, fetzte mich in Erstaunen. „Sie wundern sich,“ sagte sie, „aber 
ich nicht, diese Schwiegertochter wird uns zu schaffen machen, aber 
mein Sohn kennt sie so gut als ich und er wird sie in Ordnung 
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