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Full text: Memoiren der Königlich Preußischen Prinzeß Friederike Sophie Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, Schwester Friedrichs des Großen / Wilhelmine Friederike Sophie, Brandenburg-Bayreuth, Markgräfin (Public Domain)

ziehen. „Auf den ersten Anblick wird sie dir gefallen,“ setzte sie 
hinzu, „denn ihr Gesicht ist allerliebst, aber sieht man sie länger 
als einen Augenblick, so ist es nicht zum aushalten.“ Darauf lachte 
sie über die schöne Anordnung, die der König in Ansehung unseres 
Unterkommens gemacht hatte und fragte, wie wir alles machen 
wollten? Meine Schwester sagte, der König habe gut befehlen, 
es wäre dennoch unmöglich, uns einzurichten und wirklich glaubte 
ich nicht, daß einem Menschen jemals so etwas eingefallen ist. Die 
beiden Zimmer, welche man uns bestimmte, hatten keine Ausgänge 
und das eine von ihnen war ein kleines Kabinett. Meine Schwester 
und ich nahmen unsere Einrichtung vor; ihr und ihrer Kammerfrau 
ließ ich das Kabinett und mit Hilfe einer Menge Schirme machte ich 
aus meinem Zimmer eine ganze Wohnung für sechs Personen, 
denn soviel waren wir mit dem Erbprinzen und unserer Diener— 
schaft. Meine Hofmeisterin, die seit einiger Zeit sehr unpäßlich 
war, ward plötzlich von einer Halsentzündung mit heftigem Fieber 
befallen; ihr Uebel beunruhigte mich sehr und um so mehr, da 
ich niemand bei mir hatte. 
Ich erwartete den Erbprinzen den zweitfolgenden Tag, die 
Kronprinzessin, der Herzog und die Herzogin von Bevern und ihr 
Sohn sollten am zweiundzwanzigsten Juni ankommen. Die Königin 
hatte mir von der Herzogin von Braunschweig ein abschreckendes 
Gemälde gemacht; sie war die Mutter der Kaiserin und machte 
in dieser Eigenschaft Ansprüche auf Auszeichnungen, die sie nicht 
verlangen konnte; sie war unleidlich stolz und hatte den Vortritt 
vor der Kronprinzessin gefordert, die Königin sagte mir, wenn 
ich meine Maßregeln nicht beizeiten nähme, würde ich viele Händel 
mit ihr haben. 
Ich war in größter Verlegenheit, der König lebte wie ein 
Candedelmann und wollte nicht einen Schatten von Zeremoniell 
um sich haben. Er behandelte meine Schwestern wie Töchter vom 
Hause, wollte, daß sie die Gäste empfingen und konnte die Rang— 
streitigkeiten nicht leiden, sie mußten allen fremden Prinzessinnen, 
die nach Berlin kamen, den Vortritt lassen. Ich wußte, daß diese 
Seite sehr zart zu berühren war und mir viel Verdruß machen 
konnte, wußte aber auch, daß ich meine Vorrechte als Königs⸗ 
tochter, wenn ich sie einmal verloren, nie wiedererlangen würde. 
Nach langer Ueberlegung entschloß ich mich, es daraufhin zu wagen 
und mit dem Rönig darüber zu sprechen, die Königin versprach mir 
ihren kräftigen Beistand. 
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